Manager verdienten im Schnitt 6,5 Prozent mehr

15. April 2013, 18:09
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Die Bonuszahlungen sind bei einem Drittel der ATX-Manager mehr als doppelt so hoch wie das Grundgehalt

Die großen börsennotierten Unternehmen in Österreich haben ihren Managern im Vorjahr deutlich höhere Gagen bezahlt. Im Schnitt kam jedes Vorstandsmitglied laut Arbeiterkammer auf 1,4 Millionen Euro – ein Plus von 6,5 Prozent. Mit 5,8 Millionen Euro war Voestalpine-Manager Franz Hirschmanner Bestverdiener. Er ging mit Ende März 2012 in Pension, was Abfindungszahlungen von 3,5 Millionen auslöste.

Wien - Für Wolfgang Leitner hat sich das Jahr 2012 ausgezahlt. Der Chef des steirischen Maschinenbaukonzern Andritz, der über die Familienstiftung Custos rund 30 Prozent am Unternehmen hält, darf sich laut Wirtschaftsblatt über Dividendenausschüttungen in Höhe von 36,19 Millionen Euro freuen. Als Vorstandsvorsitzender kommt der 59-Jährige noch einmal auf 5,4 Millionen Euro.

Im Gagenranking wurde Leitner nur von Voestalpine-Manager Franz Hirschmanner abgehängt. Der Chef der Sparte Automotive schied zwar bereits mit Ende März 2012 aus dem Unternehmen aus, bekam aber noch 3,5 Millionen an Abfindungszahlungen, was ihn laut Arbeiterkammer (AK) zum bestverdienenden Manager des Vorjahres machte (siehe Chart).

Die AK wertet jedes Jahr die Geschäftsberichte der im heimischen Leitindex ATX notierten 20 Unternehmen aus. Im Schnitt bekam jeder Manager 1,4 Millionen, was einem Anstieg um immerhin 6,5 Prozent im Vergleich zu 2011 entspricht. Zur Orientierung: Das Gehalt eines durchschnittlichen Arbeitnehmers stieg im gleichen Zeitraum um 2,9 Prozent. Die Gewinne der ATX-Konzerne sind gleichzeitig sogar um 19,3 Prozent auf 5,9 Milliarden gestiegen. Lediglich zwei Unternehmen, nämlich der Ziegelhersteller Wienerberger und der Immobilienentwickler Conwert, schlossen das Jahr negativ ab.

Erstmals waren detaillierte Analysen der Vorstandsbezüge möglich. Im Vorjahr wurde nämlich die gesetzliche Pflicht eingeführt, jedes Vorstandsgehalt einzeln auszuweisen. Davor wurden in der Regel nur Globalzahlen veröffentlicht. Außerdem wurde etwas präzisiert, was ein " angemessenes" Gehalt ist (siehe Wissen). In der Praxis bleibt freilich weiter genug Gestaltungsspielraum.

Keine sozialen Ziele

Was laut Arbeiterkammer vor allem auffällt: Obwohl öffentlich immer mehr über eine Koppelung von Bonus-Zahlungen an nachhaltigen Kriterien gesprochen wird, stehen in der Praxis weiter harte Finanzkennzahlen im Mittelpunkt. "Kein einziges Unternehmen nennt beispielsweise beschäftigungsrelevante oder soziale Ziele", heißt es in der AK-Analyse. 40 Prozent der Unternehmen weisen kein einziges nichtfinanzielles Kriterium aus.

Der Trend zu hohen Bonuszahlungen ist unverändert. Bei einem Drittel der Manager war der variable Gehaltsteil mehr als doppelt so hoch wie das Fixum, bei 70 Prozent macht er immerhin mehr als die Hälfte des Fixgehalts aus, weshalb die AK neuerlich Obergrenzen für Bonuszahlungen forderte.

Nicht viel anders ist die Situation übrigens bei jenen Unternehmen, die in teilweisem Einflussbereich der öffentlich Hand stehen. Bei OMV-Chef Gerhard Roiss übersteigt der Bonus das Fixum deutlich, bei Post-Chef Georg Pölzl liegt er nur geringfügig darunter. Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber konnte sich sein Grundgehalt von 647.500 Euro mit einer Gratifikation von knapp 430.000 Euro auffetten. Nicht ganz 50:50 ist auch bei Telekom-Boss Hannes Ametsreiter das Gagen-Verhältnis.

Im Vergleich zu den deutschen Managern geben es die heimischen Vorstandsmitglieder aber nach wie vor billig. Das durchschnittliche Gehalt eines Dax-Managers lag 2011 bei 3,2 Millionen Euro. Die Vorstandsvorsitzenden kamen im Schnitt sogar auf 5,9 Millionen Euro, erhob die Hans Böckler-Stiftung.

Nach oben gibt es fast keine Grenzen. Immer wieder für Kritik sorgte Volkswagen, das 2011 für Konzernchef Martin Winterkorn mehr als 18 Millionen ausgab. Die Deutsche Bank zahlte 10,4 Millionen. Bei Siemens, Daimler, dem Energieriesen RWE und dem Handelskonzern Metro bekamen die Vorstandschef immerhin mehr als acht Millionen Euro.

Was sich die Österreicher von den deutschen Kollegen abgeschaut haben: Pensionsverpflichtungen nehmen eine immer größere Rolle ein. Der Energieversorger EVN gab 2011/2012 rund 1,4 Millionen Euro für Bezüge der Vorstandsmitglieder aus. Gleichzeitig summieren sich die Pensionsverpflichtungen für den derzeitigen Vorstand auf 11,1 Millionen Euro. (go, DER STANDARD, 16.4.2013)

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