Record Store Day: Lieben und jagen

15. April 2013, 17:26
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Am 20. April können Musikfans exklusives Vinyl in den Plattenläden erwerben - Mit dabei sind auch Luise Pop und Half Girl mit einem gemeinsamen Release

Am Samstag ist es wieder soweit: Da lockt der Record Store Day MusikliebhaberInnen mit limitierten Vinylveröffentlichungen, besonderen Angeboten und Instore-Gigs von KünstlerInnen in die kleinen, unabhängigen Plattenläden.

Erfunden wurde der Record Store Day (RSD) 2007 in den USA, um lokalen Independent-Plattengeschäften zu größerer Aufmerksamkeit zu verhelfen und diese vor den großen Ketten und Online-Händlern zu verteidigen. Seitdem hat sich RSD, der jedes Jahr am dritten Samstag im April stattfindet, rund um den Globus verbreitet - von Deutschland bis Japan nehmen mittlerweile rund 2.000 FachhändlerInnen teil, in Österreich sind heuer 14 Plattenläden mit am Start.

Lemmy, I'm a Feminist!

Anlässlich des diesjährigen Record Store Day machen zwei "local heroines" aus Berlin und Wien gemeinsame Sache: Die All-Girl-Supergroup Half Girl und Luise Pop, gefeierte "Surf Noir"-Band mit "Quotenschlagzeuger", veröffentlichen am 20. April auf dem Indie-Label Siluh Records eine gemeinsame Split-7-Inch.

Dabei stellen Luise Pop - zu sehen in Mirjam Ungers Musikdoku "Oh Yeah, She Performs!" und zuletzt mit ihrem Album "Time Is a Habit" (2012) im Gespräch - die Pixies-Hmyne "Here Comes Your Man" auf den Kopf und lassen kurzerhand die Braut das Romanzenruder übernehmen. Half Girl wiederum haben mit "Lemmy, I'm a Feminist" eine augenzwinkernde Hommage an den alternden Motörhead-Kopf und Herzeige-Chauvinisten Lemmy Kilmister aufgenommen. Doch nicht nur die feministische Attitüde der beiden Bands wirkt verbindend - als Mitglied beider Bands pendelt Gitarristin/Sängerin Vera Kropf regelmäßig zwischen Wien und Berlin.

Nerd-Alarm

So sehr der RSD als Öffentlichkeitsplattform für lokale Indie-Acts und kleine Läden nützlich sein mag, so sehr ist ihm auch ein stark männlich konnotierter Gestus eingeschrieben. "Spähen, jagen, erlegen! All das ist möglich am Record Store Day!" - mit diesen Worten rührte 2012 Thees Uhlmann von der Hamburger Indie-Rockband Tomte als offizieller Botschafter für den Record Store Day die Werbetrommel.

Dabei kam auch die bekannte Distinktionsrhetorik von Musiksammlern nicht zu kurz: "Die Trophäen nach Hause tragen, das Besondere wertschätzen (...) Auf jeden Fall macht selbst 'erjagte" Musik aus dem Plattenladen um die Ecke doch immer noch viel mehr Spaß als der USB-Stick eines entfernten Bekannten." Authentisches Kauferlebnis, Befeuern der Sammelleidenschaft unter dem Banner der anhaltenden Vinyl-Renaissance, verschwörerisch anmutendes Insidertum - ist das tatsächlich der "bessere" Kulturkonsum?

Everyday is Record Store Day

Mittlerweile kritisieren aber auch Plattenladen-BetreiberInnen selbst den Record Store Day - denn nicht bei der Aktion mitzumachen, könne man sich heutzutage kaum mehr leisten, wie etwa die Berliner Wochenzeitung "Jungle World" berichtet. Für jene, die ihren Plattenladen "ums Eck" dauerhaft unterstützen wollen, gilt ohnehin: Everyday is Record Store Day. (red, dieStandard.at, 15.4.2013)

  • Luise Pop, "Surf Noir"-Band mit "Quotenschlagzeuger" aus Wien trifft auf ...
    foto: alexi pelikanos

    Luise Pop, "Surf Noir"-Band mit "Quotenschlagzeuger" aus Wien trifft auf ...

  • ... die Berliner "All-Girl Supergroup" Half Girl.
    foto: half girl

    ... die Berliner "All-Girl Supergroup" Half Girl.

  • Coverhälften der Split-7" von Luise Pop und Half Girl - erhältlich am Record Store Day am 20. April in teilnehmenden Plattenläden.
    foto: siluh records

    Coverhälften der Split-7" von Luise Pop und Half Girl - erhältlich am Record Store Day am 20. April in teilnehmenden Plattenläden.

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    foto: siluh records
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