Goldpreis: Größter Verlust seit 30 Jahren

15. April 2013, 18:17
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Die Gold-Rallye ist vorbei. Der Preis des Edelmetalls sackt um rund zehn Prozent ab. Die schwache Wirtschaft in China und die Furcht, Zypern und andere Länder könnten ihre Goldreserven verkaufen, belasten.

Wien - Gold verliert seinen Glanz. Seit Freitag hat der Preis für eine Feinunze (31,10 Gramm) des Edelmetalls um rund zehn Prozent nachgegeben. Das ist nicht nur der größte Kursrutsch seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 - innerhalb von zwei Handelstagen ist Gold zuletzt vor 30 Jahren derart stark gefallen. Am Montag sind die US-Futures auf Gold um mehr als 100 US-Dollar gefallen und haben damit die Talfahrt beschleunigt - zeitweise sackte Gold auf 1356 US-Dollar ab.

Gründe für die Preiskorrektur gibt es mehrere. Dass Zypern einen Teil seiner Goldreserven (13,9 Tonnen) verkaufen könnte, um den Eigenbeitrag zum Hilfspaket aufzubringen, hat die Marktteilnehmer verunsichert. "Die angedachte Menge von zehn Tonnen ist zwar nicht groß", sagt Matthew Turner, Analyst bei Macquarie. Dies entspreche in etwa der Menge, die börsennotierte Gold-Fonds (ETFs) derzeit durchschnittlich jede Woche verkauften. Doch die Aktion könnte Schule machen.

Werfen andere Länder - etwa Italien oder Frankreich, die jeweils über rund 2500 Tonnen Gold verfügen - Teile auf den Markt, würde das massiv auf den Preis drücken. Davor fürchten sich Händler, ziehen die Notbremse und verkaufen zumindest einen Teil ihrer Goldvorräte.

Rausverkauf

Am Freitag sind an der New York Commodities Exchange die Umsätze rasant gestiegen. Umgerechnet haben auf dem Papier an einem Tag gut 1140 Tonnen Gold den Besitzer gewechselt, rechnen die Commerzbank-Analysten aus. " Dies ist mehr als die gesamte jährliche Goldnachfrage von Indien oder China", halten die Commerzbank-Experten fest. Allein der weltweit größte Goldfonds SPDR verkaufte fast 23 Tonnen Gold.

Gold hatte in der Finanzkrise eine Rekordjagd hingelegt - 2011 erklomm der Goldpreis ein Hoch nach dem anderen und markierte im August 2011 bei 1913,50 US-Dollar das bisherige Allzeithoch.

Dass die Konjunktur in den USA zuletzt leicht angezogen hat, ist für Goldbesitzer keine gute Nachricht. Das nährt die Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise. Zudem denkt die US-Notenbank Fed an, ihr Anleihenankaufprogramm zum Jahresende zu stoppen. Damit verliert Gold seinen Wert als Krisenwährung.

Analysten trommeln das Ende des hohen Goldpreises schon seit ein paar Wochen. Von einer Blase ist schon die Rede gewesen, ebenso davon, dass Gold als sicherer Hafen nicht mehr gefragt ist, weil Anleger wieder Lust auf Aktien bekommen. "Der Einbruch bei Gold ist erst in einem frühen Stadium", warnt Georgette Boele, Rohstoffstrategin bei ABN Amro.

Im Zuge der Finanzkrise haben auch viele Privatanleger auf Gold gesetzt. Im August 2009 wurde bei der Münze Österreich rund um die Uhr in drei Schichten gearbeitet, um die massive Nachfrage bedienen zu können. Die bisherigen Preiskorrekturen haben in Österreich nicht auf die Beliebtheit des Edelmetalls gedrückt. Laut der letzten Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK Austria erreichte Gold im vierten Quartal 2012 in der Beliebtheit sein All-Time-High mit 28 Prozent und lag nach Grundstücken auf Rang vier der beliebtesten Anlageformen.

"Wer Gold besitzt, darf nicht auf den täglichen Kurs schauen", rät Christian Fegg, Chefanalyst der Schoellerbank. Korrekturen gehörten beim Edelmetall dazu. "Als langfristige Krisenwährung hat sich Gold noch immer bewährt", sagt Fegg zum Standard. Wegen der lockeren Geldpolitik der Notenbanken "ist und bleibt Inflation ein Thema und damit das Argument für ein Investment in Gold", sagen Experten.

China schwächelt

Angesichts der an Fahrt verlierenden chinesischen Wirtschaft haben Investoren Rohstoffe verkauft. Damit hat neben Gold auch der Wert für Silber abgenommen. Eine Feinunze verbilligte sich um bis zu elf Prozent auf 22,97 US-Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Oktober 2010 nicht mehr. Chinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal mit 7,7 Prozent nicht so stark wie im vierten Quartal 2012 und weniger als von Analysten mit 8,0 Prozent erwartet. In der Folge brach der Kupferpreis in der Spitze um 4,3 Prozent auf 7085 US-Dollar je Tonne und Öl der Sorte Brent um bis zu 2,5 Prozent auf 100,55 US-Dollar je Barrel ein China ist der größte Kupfer- und zweitgrößte Ölverbraucher der Welt. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 16.4.2013)

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