Zwei Geburtsstunden und ein Jubiläumsband

14. April 2013, 17:46
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Das Theater in der Josefstadt feiert 225. Geburtstag

Wien - Vom "Schnupftüchel" zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Bühnen, so präsentiert sich die 225-jährige Geschichte des Theaters in der Josefstadt, die sich nun in einem von Christiane Huemer-Strobele zusammengestellten Jubiläumsband nachverfolgen lässt. Am Sonntag wurde das unauffällig hübsche Buch von Direktor Herbert Föttinger und ehemaligen wie gegenwärtigen Stars auf der Bühne des Hauses vorgestellt.

Die Leseproben reichten von launigen Beobachtungen aus den ersten Jahren unter Karl Mayer, der sein Haus bei drohender Leere mit durch die Vorstadt gehenden Mägden und Lehrjungen füllte, bis zu einer ausgiebigen Passage aus dem Roman des Ensemblemitglieds Michael Dangl, Rampenflucht. Die Zeit des Alt-Wiener Volkstheaters wird im Buch weitestgehend ignoriert, die Ära Max Reinhardts, der das Theater von 1924 bis 1935 leitete und prägte, dem Anschein nach als zweite Geburtsstunde verstanden.

Ebenso ausgiebig beleuchtet wurde die anschließende Funktionsperiode von Ernst Lothar, der vor den Nazis aus seinem Theater und seinem Heimatland flüchten musste. Seine Erinnerungen sind wie die des Schauspielers und stellvertretenden Direktors Hans Thimig wertvolle Rückblicke auf die Zeitgeschichte.

Die Jahre während der nationalsozialistischen Herrschaft werden von Zeremonienmeister und Theaterdirektor Herbert Föttinger mit einem Satz - man gab Klassiker, keine Propagandastücke - zu den Akten gelegt, die Nachkriegszeit mit Publikumslieblingen und Humorigem präsentiert.

Erni Mangold, Heribert Sasse, Toni Slama und Florian Teichtmeister amüsierten bei der Präsentation mit einer Hamlet-Überarbeitung von Helmut Qualtinger und Carl Merz, Elfriede Ott wurde von ihren Kollegen mit stehenden Ovationen empfangen, um Bonmots des mehrmaligen Direktors Ernst Haeusserman vorzutragen.

Otto Schenk las schließlich souverän Otto Schenk, ehe Michael Dangls sarkastischer Blick auf den Probenalltag den Geschichtenreigen nüchtern beschloss. (dw/DER STANDARD, 15. 4. 2013)


Herbert Föttinger, Christiane Huemer-Strobele (Hg.): "Das Theater in der Josefstadt", 224 Seiten, 36 Euro, Brandstätter-Verlag, Wien

  • Josefstädter Geburtstagsfreuden: Otto Schenk mit Torte.
    foto: toppress

    Josefstädter Geburtstagsfreuden: Otto Schenk mit Torte.

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