Der Porsche und das Wintermärchen

12. April 2013, 18:25
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Raiffeisen-Boss Hameseder fuhr mit Sommerreifen den Porsche zu Schrott und verlangt von der Raiffeisen Versicherung die Schadens-Begleichung

Wien - Bei Raiffeisen wird der Mantel des Schweigens über den brisanten Fall gelegt. Aber auf allerhöchster Ebene wird beraten, wie man mit der Causa Porsche/ Hameseder umgeht.

Hintergrund ist folgender: Seit einem Bericht in "Österreich" vom vergangenen Freitag ist bekannt, dass Erwin Hameseder, Aufsichtsratspräsident der Raiffeisen Zentralbank, Obmann der Raiffeisen Holding und Aufsichtsrat zahlreicher (auch börsennotierter) Unternehmen wie der Uniqa und des Flughafens Wien, am 3. April bei Schneefall mit seinem Porsche 911 auf der Donauuferautobahn bei Stockerau einen schweren Autounfall verursachte. Er war mit Sommerreifen unterwegs.

Nun erfuhr der Standard, dass Hameseder von seiner Versicherung, der Raiffeisen Versicherung (eine Tochter der Uniqa, wo er zweiter stellvertretender Aufsichtsratschef ist), den Schaden bezahlt haben will. Bei jedem anderen Versicherungsnehmer wäre das wohl denkunmöglich, weil bis 15. April Winterreifenpflicht besteht. Diese gilt ab 1. November mit dem Zusatz "bei winterlichen Verhältnissen". Genau auf diesen Zusatz dürfte sich Hameseder mit seinem Begehr stützen. Denn er argumentiert, dass es, als er in der Früh von zu Hause wegfuhr, noch nicht winterlich war.

Brüten in den Chefetagen

Normalerweise wird eine Sommerbereifung bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen als grobe Fahrlässigkeit gewertet, die einen Leistungsausschluss zur Folge hat. Bei Raiffeisen brüten jetzt die Granden in den Chefetagen, wie man weiter vorgeht.

Angeblich rechtfertigte sich Hameseder für die Sommerreifen damit, dass er den Flitzer nur im Sommer fahre und daher keine Winterreifen dafür besitze. Der Raiffeisen-Banker gab an, er wollte den sechsjährigen Porsche zum Service bringen; angeblich ein lang vereinbarter Termin. Sein Chauffeur fuhr übrigens im Dienstauto - vor dem Porsche.

Auf der winterlichen A22 bei Stockerau versuchte Brigadier Hameseder die Spur zu wechseln, kam ins Schleudern, das Auto drehte sich und raste fast ungebremst in die Leitschiene. Am Auto entstand Totalschaden (45. 000 Euro). Hameseder kam mit Kratzern davon.

Schneefahrbahn

Die Räumdienste hatten an diesem Mittwoch Mühe, die Autobahn freizubekommen. Der Schneefall nach Ostern war tagelang vorher angekündigt worden - und er dürfte der vorerst letzte in dieser Wintersaison gewesen sein.

Hameseder löste im Vorjahr Christian Konrad als Obmann bei Raiffeisen ab. Als Vorstandschef der Raiffeisen Landesbank NÖ- Wien musste er weichen und in den Aufsichtsrat wechseln. Neben seinen zahlreichen Funktionen in- und außerhalb des Raiffeisensektors unterstützte er auch Erwin Pröll bei der letzten Landtagswahl. Hameseder war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seine Pressereferentin erklärte auf Standard-Anfrage: "Dazu weiß ich nichts, das ist sein Privatfahrzeug." (Claudia Ruff, DER STANDARD, 13.4.2013)

Update Samstag, 13.4.2013, um 16:11 Uhr:

Erwin Hameseder sieht seinen "Schadensfall" als normalen Versicherungsfall. Er habe von seiner Versicherung keine Leistung "verlangt", betonte Hameseder in einer der APA übermittelten Stellungnahme: "Im Gegenteil: Ich erwarte, dass mein Fall wie jeder andere auch behandelt wird und lege besonderen Wert darauf, dass gerade hier nach strengsten Maßstäben entschieden wird."

Außerdem will Hameseder die Raiffeisen-Versicherung ersuchen, "dass zur Objektivierung weitere externe Gutachter beigezogen werden und erst dann eine Entscheidung getroffen wird". Und, so Hameseder weiter: "Selbstverständlich akzeptiere ich jede Entscheidung der Versicherung." (APA)

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    Erwin Hameseder, seit Jahrzehnten bei Raiffeisen, kam mit dem Porsche ins Schleudern. Jetzt tüftelt die hauseigene Versicherung, wie mit dem Schadensfall umzugehen ist.

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