Banker sorgen sich um Privatsphäre

12. April 2013, 17:51
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Im Kleinwalsertal, wo wohlhabende Deutsche steuerschonend ihr Vermögen parken, fürchtet man um die Privatsphäre der Anleger

Mittelberg - Fast drei Meter Schnee am Berg, Frühlingssonne und Nachsaisonpreise. Die Stimmung der Banker im Vorarlberger Hochgebirgstal ist im Gegensatz zu jener der Wintersportler getrübt. Sie fürchten um ihre Gäste, wie Bankkunden in der Tourismusregion genannt werden. Schuld ist die Diskussion um das Bankgeheimnis. Schließlich bemüht man sich in der 5000-Menschen-Enklave, die per Auto nur über Deutschland erreichbar ist, ganz besonders um wohlhabende Deutsche.

Eine klare politische Entscheidung wünscht sich der Vorarlberger Bankensprecher und Raiffeisen-Vorstand Wilfried Hopfner. Nicht für die Banken, die seien seit Jahren an Belastungen und immer neue Richtlinien gewohnt, "sondern für die Kunden, denn es geht um ihre Privatsphäre". Durch die Abschaffung des Bankgeheimnisses opfere man diese Privatsphäre, fürchtet auch Markus Kalab, Sprecher der Walser Privatbank AG. Das auf Private Banking spezialisierte Institut gehört zum Raiffeisenimperium, ist eine der größten Raiffeisenbanken Österreichs.

"Von der Abschaffung des Bankgeheimnisses wären die Banken im Kleinwalsertal nicht stärker betroffen als andere", sagt Hopfner. "Es trifft uns nicht härter", bekräftigt Kalab. Blättert man im Archiv, mag man das nicht ganz glauben. So sagte der damalige Walser Raiffeisenchef zur Abschaffung anonymer Sparbücher und Wertpapierdepots, man werde das verkraften, schließlich gehe es nicht um die Abschaffung des Bankgeheimnisses.

Viele deutsche Kunden

Die Kunden der sechs Kleinwalsertaler Banken kommen zum Großteil aus Deutschland. Bei der Walser Privatbank AG machen sie 80 bis 90 Prozent aus. Ob seit Einführung der Quellensteuer und anonymisierter Meldung an die deutschen Steuerbehörden Kunden ihre Vermögen abzogen, will Hopfner nicht sagen.

Die Entwicklung der Zahlen deutet daraufhin. So sank die Bilanzsumme der Walser Privatbank AG von 1087 Millionen im Jahr 2008 auf aktuell 826 Millionen Euro, die Kundeneinlagen von 865 auf 429 Millionen, die Wertpapier-Depotvolumina um 300 Millionen auf 1551 Millionen.

Die "Gäste" kämen nicht, um Steuern zu umgehen, sagt Kalab, sondern wegen der besonderen Serviceangebote der "Wohlfühlbank". Das kann man durchaus wörtlich verstehen. Zur Entspannung stehen Massagestühle zur Überbrückung von Wartezeiten bereit, die Beratungszimmer (Eintritt mindestens 300.000 Euro) tragen Namen berühmter Österreicherinnen und Österreicher. Besonders beliebt sei das Romy-Schneider-Zimmer mit täglich frischen Rosen, erzählt Kalab. Was sich Kunden dabei denken, wenn sie ins Freud-Zimmer gebeten werden, habe man noch nicht analysiert.

Der deutsche Fuchs-Report ist auf jeden Fall voll des Lobes. "Mit Klasse" kümmere man sich um Kunden mit einem siebenstelligen Betrag. Zum dritten Mal kürte der Wirtschaftsverlag die Bank zum besten Private-Banking-Institut Österreichs. (Jutta Berger, DER STANDARD; 13.4.2013)

  • Bank mit Wohlfühlfaktor: die Walser Privatbank AG
    foto: archiv

    Bank mit Wohlfühlfaktor: die Walser Privatbank AG

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