Schutz vor, Recht auf Medien

12. April 2013, 17:14
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Smartphones, Facebook, virale Kampagnen: Eine Tagung beleuchtete die vielfältigen Beziehungen zwischen Kindern und den sie ständig umgebenden Kommunikationsmitteln

Genf - Volksschüler in Missouri besuchten zwei Monate lang einen Kurs, in dem sie lernten, mithilfe von Software Präsentationen und visuelle Geschichten zu erstellen. Julia Griffey von der Webster University St. Louis sah es als Erfolg an, dass nachher eines der Kinder angesichts eines rasanten TV-Films ausrief: "Das ist ja alles getrickst!"

So weit eines der erfreulicheren Forschungsergebnisse, die Anfang dieser Woche auf der Tagung "Children and the Media" diskutiert wurden. Der Genfer Webster-Campus hatte Akademiker, Praktiker und Studenten dazu eingeladen, die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Kindern und den sie in jeder Hinsicht umgebenden, umhüllenden Kommunikationsmittel auszuleuchten.

Voller Fallstricke

Das Feld, das sich dabei auftat, war lang und breit und voller Fallstricke. Dass die Heranwachsenden sowohl ein Recht auf Medien haben wie auch vor ihnen geschützt werden sollen (wie es etwa in internationalen Konventionen verankert ist); dass sie dennoch politischen, sozialen und kommerziellen medialen Kräften ausgesetzt sind, die sie noch weniger durchschauen als Erwachsene; dass sie Objekte von Berichterstattung sind und Opfer von viral sich ausbreitenden medialen Kampagnen werden können, andererseits imstande sind, selber über ihre Lage zu berichten und dies ins Netz zu stellen: Das alles eröffnete konzentriert Einsichten in eine zu wenig bekannte "Welt des Kindes".

Gerade angesichts der mittlerweile auch den Kleinsten zugänglichen sozialen Medien, so waren sich mehrere Vortragende einig, tue "Media Literacy" not, eine diesbezügliche Bildung. Ein Vortrag beleuchtete die Stadien kindlicher Informationsverarbeitung und kam zum Schluss, dass die Betroffenen "Medien-Intelligenz" noch vor moralischen Maßstäben erwerben.

Erhöhtes aggressives Verhalten

Ein weiterer Beitrag, ebenfalls aus Wien, beleuchtete die Folgen von Hass-Videos, -TV und -Games für junge Zuschauer am Beispiel Palästina/Israel; nämlich: mehr Angst, weniger Einfühlen in das Leiden anderer, erhöhtes aggressives Verhalten.

Smartphones plus Facebook gelten als wichtige Informationsquelle - aber auch als Grund für erhöhten Narzissmus.

Wie unterschiedlich die medialen Darstellungen von (Selbst-) Ausbeutung von Kindern ausfallen können, markierten insbesondere zwei Beiträge: Die Studentin Hawazen Al Maddah aus Saudi-Arabien referierte über islamische Barbie-Alternativen und über die mittlerweile 15 Jahre alte Venus Palermo, die sich als porzellanene "lebende Puppe" eine ewige Youtube-Identität aufgebaut hat.

Der Fotograf GMB Akash hingegen dokumentierte die erbärmliche Situation von Kindern in seiner Heimat Bangladesch - mit dem erklärten Ziel, aus dem Erlös seiner Bücher wenigstens den porträtierten Sklavenarbeitern und Zwangsprostituierten helfen zu können. (Michael Freund, DER STANDARD, 13./14.4.2013)

  • Medien nehmen die Kleinen mehr und mehr bei der Hand. Die Frage ist: wohin?
    foto: webster university genf

    Medien nehmen die Kleinen mehr und mehr bei der Hand. Die Frage ist: wohin?

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