Der "Blob" im Sternbild des Schilds

13. April 2013, 18:00
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In 3.300 Lichtjahren Entfernung befindet sich der Planetarische Nebel IC 1295: Eine leuchtende Erinnerung an das Ende eines Sterns

Heidelberg - Man kennt ihn schon lange, aber zuletzt geisterte er wieder einmal als "Blob" durch die Schlagzeilen - in Erinnerung an das grünlich schimmernde Geleemonster aus einem B-Picture der 50er Jahre. In Wirklichkeit trägt er die Bezeichnung IC 1295 und ist ein Planetarischer Nebel. Ein neues Foto - das bislang detaillierteste Bild, das jemals von diesem Objekt gemacht wurde - machte ihn nun wieder zum Thema.

Die Bezeichnung "Planetarischer Nebel" führt allerdings selbst in die Irre. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert und geht zurück auf eine Fehlinterpretation: Sterne, die von der Größe her unserer Sonne vergleichbar sind, schleudern am Ende ihrer Entwicklung ihre Atmosphäre ins All. Für einen Zeitraum von einigen zehntausend Jahren sind sie dann umgeben von eindrucksvollen und farbenfroh leuchtenden Wolken aus ionisiertem Gas. Da diese rund sind und bei oberflächlicher Betrachtung einen ähnlichen optischen Eindruck abgeben wie Gasriesen, erhielten sie diese Bezeichnung, die sich bis heute gehalten hat.

Der Blob, die Mikrobe, der Planetarische Nebel

IC 1295 befindet sich ca. 3.300 Lichtjahre entfernt im Sternbild des Schilds und umgibt einen dunklen, sterbenden Stern. Eine neue Aufnahme des Very Large Telescope (VLT) der ESO zeigt den Planetarischen Nebel in neuer Detailschärfe. Dabei hat sich auch gezeigt, dass der Stern in seinem Zentrum gleich von mehreren Hüllen umgeben zu sein scheint. Das Max-Planck-Institut für Astronomie vergleicht den Anblick mit dem eines Mikroorganismus unter dem Mikroskop.

Die einzelnen Gasblasen werden von der starken ultravioletten Strahlung des alternden Sterns zum Leuchten gebracht. Verschiedene chemische Elemente strahlen in unterschiedlichen Farben; der geisterhafte grüne Farbton, der in IC 1295 vorherrscht, stammt von ionisiertem Sauerstoff. In der Bildmitte kann man die ausgebrannten Überreste des Sternkerns als hellen blau-weißen Punkt im Herzen des Nebels erkennen.

Der Stern wird im weiteren Verlauf zu einem extrem lichtschwachen Weißen Zwerg werden, der so langsam auskühlen wird, dass das Wort "Langsamkeit" eine neue Bedeutung bekommt: Das Universum ist bislang noch viel zu jung, um die potenzielle Lebensdauer eines Weißen Zwergs zu umfassen. Es könnten Billiarden Jahre oder auch mehr sein.  (red, derStandard.at, 13. 4. 2013)


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ESO

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    foto: eso
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