Let's Play. How to. Make money. Schaut in den Redaktionen auf YouTube

Blog12. April 2013, 16:05
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YouTube verändert Nutzungsgewohnheiten und Formate

Ich weiß nicht besonders viel über YouTube. Doch seit ich in Gesellschaft von Webvideopreis-Macher Markus Hündgen war, weiß ich: Wer Inhalte macht, muss über YouTube nachdenken.

Diese Woche wurde offiziell, was bereits vermutet wurde: Es gibt nun einen österreichischen YouTube-Auftritt samt Gelegenheit zum Einstieg in das "Partnerprogramm". Mit großer Verzögerung zum internationalen Markt - das Partnerprogramm startete 2007 - ermöglicht Eigentümer Google damit .at-YouTubern den Traum vom großen Geld. Und um großes Geld geht es. Die erfolgreichsten Networks wie Machinima, ein Gamer-Netzwerk, oder Vevo mit Musik und Shows, haben zwischen 10 und 20 Millionen Abonnenten, mehrere Milliarden Videoabrufe. Schätzungen über Einnahmen bewegen sich im niedrigen Millionen-Dollar-Bereich. Pro Tag.

Nutzwert, Spiel & Spaß

Was machen die Menschen dort? Gesucht wird nach allem Möglichen, YouTube ist nach Google die zweitgrößte Suchmaschine. Nutzwertiges kommt gut. Dafür gibt es eigene Formate: Beim Unboxing wird das Auspacken von Produkten gefilmt (das ist so banal wie es klingt), How-to-Videos zeigen, wie's geht: Extraschnelles Schuhebinden, Rubikwürfellösen. Tipps zum Zähneputzen (inkl. Produktwerbung), zum schnelleren Laufen, zum gesünderen Essen, zum Beispiel im spezialisierten Netzwerk "Howcast", - und natürlich endlos viele Tipps "How to Make better Sex". Themen also, die es in angesehenen Printmedien auf's Cover schaffen.

Überhaupt seien die Kulturpessimisten beruhigt: Wenn dem Medium gerecht aufbereitet, gewinnen Wissenschaft, Politik, Kultur auch Publikum. Und Musik, Musik, Musik. 93 Prozent der 12- bis 19-Jährigen hören Musik via YouTube, dagegen nur 18 Prozent im Radio, zeigte unlängst eine Studie der Uni Leipzig. Spaß zu machen scheint auch Let's Play: "(engl. 'lasst uns spielen' oder Playthrough, 'Durchspielen'; abgekürzt: LP) bezeichnet das Vorführen des Spielens eines Videospiels." (Wikipedia)

Hinschauen

Mir selbst ist die Gamingwelt ein Paralleluniversum. Ich spiele keine Bildschirmspiele. Ich lege Platten auf, weil ich ein Kind der Siebziger bin. Ich bevorzuge Text, weil ich das Tempo der Informationsaufnahme bestimmen will. Deshalb weiß ich nicht besonders viel über YouTube.  Aber ich sehe: YouTube ist Auslöser einer weiteren digitalen Revolution. YouTube bedroht traditionelle Geschäftsmodelle und kanalisiert noch mehr Werbeeinnahmen zu Google. YouTube verändert Nutzungsgewohnheiten und Formate. YouTube zeigt, wie Nutzer auf einfache Art und Weise mitmachen wollen. Daher: Hinschauen dringend empfohlen. YouTube-Trends und -Stats beobachten, von Formaten zum Nachdenken über Userbedürfnisse anregen, vom Spielerischen inspirieren lassen; vielleicht Videos ausprobieren, einen eigenen Channel machen, Strategien entwickeln. Und irgendwann einen Webvideopreis gewinnen. Oder sogar Geld verdienen. (Daniela Kraus, derStandard.at, 12.4.2013)

  • Kunst und YouTube? Mit dem Guggenheim Museum wurden 2010 via YouTube Play kreative Videos gesucht. Auch Redaktionen sollten sich mit YouTube auseinander setzen, rät Daniela Kraus im Journo-Blog.
    foto: google/jeff baxter

    Kunst und YouTube? Mit dem Guggenheim Museum wurden 2010 via YouTube Play kreative Videos gesucht. Auch Redaktionen sollten sich mit YouTube auseinander setzen, rät Daniela Kraus im Journo-Blog.

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