Kommunistische Fraktionen treten wieder getrennt an

12. April 2013, 12:53
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Lukas Fasching Spitzenkandidat des KSV - KSV-Lili tritt als Kollektiv auf

Wien - Schon zum vierten Mal werden bei den Wahlen zur Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) vom 14. bis 16. Mai zwei kommunistische Fraktionen antreten. Der Kommunistische StudentInnenverband (KSV) wird diesmal vermutlich an elf Unis zur Wahl stehen, der Kommunistische Student_innenverband (KSV-LiLi) an sechs. Beide Fraktionen treten an den Unis Wien, Linz, Graz, der Wirtschaftsuni, der Medizin-Uni Wien und der Uni für Bodenkultur (Boku) an. Den KSV können Studierende zusätzlich an den Technischen Unis Wien und Graz, der Medizin-Uni Graz und den Unis Salzburg, Innsbruck sowie eventuell in Klagenfurt wählen.

"Solidarische Linke" tritt an Uni Wien an

Für den KSV geht der 23-jährige Lukas Fasching, Student der Volkswirtschaftslehre an der Uni Wien, als Spitzenkandidat ins Rennen. Dabei wird der KSV an der größten Hochschule des Landes diesmal nicht als eigene Fraktion, sondern als Teil der "Solidarischen Linken" ("Soli") antreten. Das Kollektiv aus KSV, Linkswende und Young Struggle will für die Anliegen von migrantischen Studierenden kämpfen. Hauptthemen des KSV im Wahlkampf sind die schlechte soziale Lage der Studenten durch gestiegene Lebenskosten, der Kampf für faire Bezahlung von Praktika, für ein passives Wahlrecht für migrantische Studenten und gegen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren. "Es braucht wieder große Proteste, um in der Bildungslandschaft etwas zu unserem Vorteil zu bewegen", heißt es in einer Presseaussendung.

KSV-Lili will Kapitalismus in Frage stellen

Beim  KSV-LiLi gibt es keinen Spitzenkandidaten, stattdessen tritt man laut Aussendung vom Freitag als radikaldemokratisches Kollektiv auf. Jennifer Zach, Kandidatin an der Uni Wien und Klemens Herzog Kandidat an der Bodenkundliche Universität in Wien, übernehmen die Öffentlichkeitsarbeit. Thematischer Schwerpunkt im Wahlkampf ist eine "Initiative für gemeinsamen Widerstand" gegen finanzielle Belastung von Studenten, Leistungsdruck, verschulte Studien, weitestgehende Abschaffung kritischer Lehre und selbstbestimmten Lernens sowie zunehmende Überwachung an den Unis. Außerdem sei es Zeit, den Kapitalismus als Ganzes in Frage zu stellen.

Streit um Namen

Unter welchem Namen die beiden kommunistischen Fraktionen an der jeweiligen Uni antreten, ist noch nicht fix. Bei den vergangenen Wahlen als getrennte Fraktionen haben KSV und KSV-LiLi einen Kleinkrieg um die jeweilige Listenbezeichnung geführt. Eine salomonische Lösung hatte es bei den vergangenen Wahlen an der TU Wien gegeben: Dort hatte die Wahlkommission entschieden, dass keine der beiden Fraktionen das Wort "kommunistisch" in der Listenbezeichnung führen durfte, sondern nur den Namen des jeweiligen Spitzenkandidaten. Diesmal wird man sich zumindest an der TU Wien derartige Zores ersparen: Der KSV-LiLi tritt dort gar nicht an.

In der Vergangenheit war die streitbedingte kommunistische Zwei-Marken-Philosophie durchaus erfolgreich: Verfügte der KSV vor der Spaltung über ein Mandat in der ÖH-Bundesvertretung, halten derzeit beide KSV-Varianten je eines. (APA, 12.4.2013)

  • Lukas Fasching ist Spitzenkandidat des KSV.
    foto: ksv

    Lukas Fasching ist Spitzenkandidat des KSV.

  • Der KSV-Lili tritt als Kollektiv an.
    foto: derstandard.at/aigner

    Der KSV-Lili tritt als Kollektiv an.

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