Fisch? Bier!

  • Bier zum Fisch - serviert in Riga.
    foto: conrad seidl

    Bier zum Fisch - serviert in Riga.

Conrad Seidl kombinierte in Lettland regionale Biere mit regionalen Speisen

Einladung in das Restaurant Le Dome in Riga: ob man dort versuchen könnte, die Biere des Landes mit den in Lettland gängigen Fischgerichten zu kombinieren? Gerne - wenn die Biere denn entsprechend gebraut wären. Man weiß ja aus Erfahrung: Bittere Biere sind nur mit Vorsicht zu genießen, wenn Fisch auf der Karte steht. Der Hopfengeschmack eines Pilsbiers kann etwa in Kombination mit Räucherlachs, aber auch mit Crevetten einen unangenehm anhängenden metallischen Ton bekommen. Dagegen kann ein Weizenbier oder gar ein saures Gueuze wundervoll passen.

Aber Weizenbier wird in Lettland nicht gebraut - und Gueuze ist eine belgische Spezialität. Überhaupt: Wer kennt schon lettische Biere? Eben.

Bleibt nur, es zu versuchen. Die Karte klingt verlockend: ein Räucherfischteller mit Lachs, Butterfisch und Makrele. Sodann: Filet vom Sterlet mit einer Kapern-Anchovis-Sauce. Als zweiter Hauptgang Baltischer Hering in Tempurakruste. Und dann das Roggenbrotdessert, das für Riga etwa so typisch ist wie für Wien die Sachertorte. Das ist immerhin eine leichte Übung: Das alkoholreiche, dunkle und nicht zu süße Baltic Porter ist da eine gute Empfehlung (das ist es übrigens auch zur Sachertorte), in diesem Fall kommt es von der Großbrauerei Aldaris, über die lettische Freunde die Nase rümpfen, weil sie zum Carlsberg-Konzern gehört.

Ein Versuch

Man hätte halt gern Empfehlungen aus kleinen und mittleren Brauereien. O je! Die kennt man ja leider gar nicht, man muss es auf den Versuch ankommen lassen und immer mehrere parallel servieren lassen. Immerhin steht ein Bier mit 20 Prozent Buchweizen ("Ceesu Nefiltreetais Grikku") zur Auswahl - leicht nussig, weich im Trunk und wenig bitter. Eine sichere Wahl zum Räucherlachs. Spannender allerdings: Das vollmundige, aber kaum süße Dunkle ("Tumsais") aus der kleinen, hochmodernen Uzava-Brauerei wird den Räucherfischen noch viel besser gerecht.

Zum Sterlet dann das an ein böhmisches Pilsner erinnernde Helle ("Gaisais") aus der Valmiermuizas-Brauerei, die konsequent eine Premium-Marke (und bald wohl Exporte) aufzubauen versucht. Nicht so überzeugend, aber sehr überraschend: Sowohl der Sterlet als auch der Hering holen aus den sehr mild gehopften (und für sich allein wenig ausdrucksstarken) Massenbieren Cesu Premium und Gräfs fon Zivers interessante weinige Aromen hervor. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 12.4.2013)

Share if you care