Je höher die Bildung, desto später das Kind

11. April 2013, 19:05
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Die meisten Mütter und Väter hätten gerne mehr Zeit für ihre Kinder. Noch mehr wünschen sich aber Zeit für sich selbst und ihre Freunde - Das zeigen Studien

Längere Ausbildungszeiten, befristete Arbeits- und prekäre Lebensverhältnisse tragen heute dazu bei, dass Paare die Geburt des ersten Kindes mehr nach hinten verschieben. Doch wie wirkt es sich auf das Leben als Familie aus, wenn Menschen früh oder spät Eltern werden? Das österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) greift in einer aktuellen Publikation diese Frage auf – und kommt zu teilweise überraschenden Ergebnissen.

Die Frage des Zeitpunkts

Als "frühe Eltern" sind in den vom ÖIF ausgewerteten Studien Frauen gemeint, die ihr erstes Kind vor dem 25. Lebensjahr bekommen; und Männer, die vor dem 29. Lebensjahr Vater werden. "Späte Mütter" sind beim ersten Kind älter als 32 Jahre, "späte Väter" älter als 35 Jahre.

Die Rolle des Bildungsabschlusses

Sämtliche Studien zeigen, dass der Bildungsabschluss den Zeitpunkt der Elternschaft beeinflusst: "Die frühen Mütter haben häufiger als die späten Mütter nur einen Haupt- oder Realschulabschluss. Die späten Mütter haben in der Familiengründungsphase die anspruchsvollsten Bildungsabschlüsse", so das ÖIF. Bei den Vätern zeigt sich die gleiche Tendenz. Außerdem sind die Väter zum Zeitpunkt der Familiengründung besser beruflich verankert als die Frauen - und zwar in jeder Altersgruppe. Diese ungleichen Startchancen beeinflussen die Aufteilung der Elternarbeit zwischen Frauen und Männern.

Kein Einkommen zum Auskommen

Junge Eltern haben nachweislich weniger Geld als ältere Eltern. Das kann nicht erstaunen. Frauen, die bei der Geburt ihres ersten Kindes jünger als 25 Jahre alt sind, verdienen deutlich seltener als ältere Mütter ihr eigenes Geld oder haben ein niedrigeres Nettoeinkommen. Bei den späten Müttern tragen laut dem ÖIF nur 7,1 Prozent gar nicht zum Familieneinkommen bei. Sie sind nämlich in der Familiengründungsphase viel besser in den Arbeitsmarkt integriert als jüngere Mütter.

Doch in jeder Altersgruppe leben deutlich mehr Mütter als Väter ganz ohne eigenes Einkommen. "Diese Diskrepanzen weisen auf die relativ traditionelle Arbeitsteilung in Haushalten hin", so das ÖIF. Auch junge Väter verdienen deutlich weniger als späte Väter. Das beeinflusst das Haushaltseinkommen der jungen Eltern negativ.

Junge Eltern trennen sich häufiger

Das Alter der Eltern wirkt sich auch auf die Stabilität der Partnerschaft aus: So sind junge Eltern seltener verheiratet als ältere Paare und trennen sich häufiger. So lebt ein Viertel der frühen Mütter und Väter vom anderen Elternteil getrennt, so das ÖIF. Mütter und Väter, die ihr erstes Kind später bekommen, leben dagegen in mehr als 95 Prozent der Fälle zusammen. Kinder von jungen Eltern wachsen also deutlich öfter nicht mit beiden Elternteilen zusammen auf, sondern in der Regel bei der Mutter.

Sehnsucht nach mehr Freizeit

Die Studien zeigen auch, dass die gemeinsam mit dem Kind verbrachte Zeit nicht vom Alter der Eltern abhängt. Außer am Wochenende verbringen ältere Eltern nicht mehr Zeit mit ihren Kindern. "Das Zeitbudget der Eltern für ihre Kinder erweist sich als weitgehend unabhängig vom Timing der ersten Elternschaft", so das ÖIF. Dabei wünschen sich viele Eltern unabhängig vom Alter mehr Zeit für ihre Kinder. Noch mehr wünschen sie sich aber, neben Kindern und Beruf mehr Zeit für sich selbst und ihre Freunde zu haben.

Aus den Untersuchungen geht hervor, dass Frauen heute öfter und länger arbeiten als noch zu Beginn der 1990er Jahre. Die Männer haben aber nur geringfügig mehr Hausarbeit übernommen – das bedeutet, dass die Frauen verstärkt einer Doppelbelastung ausgesetzt sind.

Zwischen dem Klima in der Familie und dem Zeitpunkt der Familiengründung gibt es den aktuellen Studien zufolge keinen Zusammenhang, so die Forscherinnen und Forscher des ÖIF. "Den frühen Eltern, die zusammen bleiben, gelingt es offenbar genausogut wie den späten Eltern, ein für sie angenehmes Familienklima zu erzeugen." Sofern sie zusammenbleiben. (lima, derStandard.at, 11.4.2013)

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