Österreich rüstet auf dem Golan auf

12. April 2013, 08:50
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Weil die Blauhelme auf ihren Patrouillen vermehrt beschossen werden, schickt das Bundesheer sieben zusätzliche Pandur-Radpanzer in die Region. Außerdem werden rund 160 Soldaten aus Fidschi die zuletzt abgezogenen Kroaten und Japaner ersetzen

Die Lage für die UN-Blauhelme am Golan hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Wie berichtet, geraten die Soldaten der Undof-Mission (Österreich stellt mit gut 370 Soldaten etwa ein Drittel der Truppe) auf ihren Patrouillenfahrten zwischen Syrien und den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen beinahe täglich unter Feuer Aufständischer. Deswegen will das Bundesheer bis Ende April sieben Pandur-Radpanzer in die Region verlegen. Ein Fahrzeug steht bereits auf der israelischen Seite der demilitarisierten Zone und wartet auf Überführung.

Die österreichischen Truppen sind nach dem eiligen Abzug der Kroaten zuletzt deutlich überbeansprucht. Einige Beobachterpositionen mussten aufgegeben werden, andere werden nur mit großen Anstrengungen gehalten. Die Uno hat sich zuletzt große Mühe gegeben, die Mannschaften wieder aufzufüllen. Am Donnerstag schließlich wurde bekannt, dass um die 160 Soldaten von den Fidschi-Inseln den Österreichern am Golan beispringen werden. Wann, war vorerst noch unklar.

Signal an EU-Partner

Vizekanzler Michael Spindelegger besuchte am Donnerstag Israel, um " einen Eindruck zu bekommen, wie lange man die Mission noch fortsetzen kann". Österreich wolle zudem, sagte er, ein Signal an die Israelis senden, "dass wir bleiben, so lange es geht". Und nicht zuletzt sollten die europäischen Partner (vor allem Paris und London, die für eine Bewaffnung der syrischen Opposition eintreten) auch ein Zeichen bekommen, dass ein Ende des Waffenembargos für Syrien die Lage in dem Raum deutlich erschweren würde.

Die Frage nach Gründen, die zu einem Abzug des österreichischen Undof-Kontingents führen könnten, wollte Spindelegger nicht beantworten: " Das müssen wir tagesgleich beurteilen." Aber es gebe jedenfalls Grenzen für die Mission. Im Juni steht die nächste große Rotation an. Dann sollen 180 Soldaten ausgetauscht werden. Bei der letzten Rotation über Damaskus im November wurden beim Beschuss des österreichische Konvois mehrere Soldaten schwer verletzt. Diesmal sollen die Österreicher über Israel abgezogen werden - vorausgesetzt, das Assad-Regime in Syrien stimmt zu. Über syrische Flughäfen ist das nicht mehr möglich, weil allein zwischen dem Undof-Mandatsgebiet und Damaskus 100 verschiedene bewaffnete Rebellengruppen operieren. In ganz Syrien sollen es 600 sein.

Spindelegger traf in Jerusalem Präsident Shimon Peres und Premier Benjamin Netanjahu. Peres dankte den Österreichern für ihren Golan-Einsatz: "Solange dieser aufrechterhalten werden kann, wird er nützen." Eine Intervention des Westens in Syrien hält Peres für inopportun, weil es sofort Vorwürfe aus der arabischen Welt geben würde. Deswegen sei eine Aktion der Arabischen Liga viel besser: "Arabische Soldaten mit blauen Helmen könnten helfen, so wie es derzeit die Westafrikaner in Westafrika machen."

Besorgt ist man in Israel vor allem darüber, wer den zweiten Krieg in Syrien - Rebellen gegen Rebellen - für sich entscheidet. Und: Welche Aufständischen die Arsenale des Assad-Regimes, besonders die Chemiewaffen, in die Hände bekommen. Um zumindest ein wenig Kontrolle darüber zu haben, haben zuletzt die USA und Jordanien an der jordanisch-syrischen Grenze ein Trainingszentrum für syrische Aufständische eingerichtet - was auch der Golan-Mission zugutekommen könnte. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 12.4.2013)

  • Ein Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen im Einsatzgebiet, demnächst sollen auch Pandur-Radpanzer in der Region patrouillieren.
    foto: un /wolfgang grebien

    Ein Konvoi aus gepanzerten Fahrzeugen im Einsatzgebiet, demnächst sollen auch Pandur-Radpanzer in der Region patrouillieren.

  • Israels Präsident Shimon Peres dankte Außenminister Michael Spindelegger für den österreichischen Golan-Einsatz.
    foto: apa/dragan tatic

    Israels Präsident Shimon Peres dankte Außenminister Michael Spindelegger für den österreichischen Golan-Einsatz.

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