Magnolien aus Stahl

11. April 2013, 17:14
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Die Hauptdarstellerinnen spielen ihre Charaktere so gut, dass man auch das absehbare Ende verzeiht

"Ich bin irgendwie froh über den Krebs", sagt Hausmütterchen Charlotte (Johanna Gastdorf). Ihren großen Busen mochte sie ohnehin noch nie, jetzt muss er weg. Dem medizinischen Schnitt folgt alsbald der private: Charlotte verlässt im ARD-Film "Halbe Hundert" am Mittwochabend auch gleich Mann, Schwiegermutter und die halbwüchsigen Söhne, die sie bloß als Putzfrau sehen.

Bei Handchirurgin Anne (Martina Gedeck) tut sich auch einiges: Ihr Mann ist ausgezogen, da lacht sie sich einen Callboy an und erlebt eine wunderbare Romanze, bevor das bittere Erwachen erfolgt, weil der Lover sie erpresst.

Fiona (Leslie Malton) hat schon drei Männer verschlissen, ist reich und kämpft wie eine Besessene gegen den körperlichen Verfall.

Jede Geschichte für sich wäre schon einen eigenen Film wert, dann hätte man auch etwas tiefer gehen können. Aber weil die Sorgen und Nöte der drei 50-jährigen Freundinnen alle in 90 Minuten untergebracht werden müssen, dürfen die Frauen streckenweise nur schnell vor Klischee-Kulissen (Ärztekongress im Luxushotel, Kuchenbacken in der Kuschel-Küche) agieren.

Nebenfiguren wie die pubertierenden Kinder, die mühsame Oma oder eine neidische Ärztekollegin bleiben leider auch eindimensional. Dennoch ist der Film sehenswert, und das verdankt er den Hauptdarstellerinnen. Sie spielen ihre Charaktere so gut, dass man auch das absehbare Ende verzeiht.

Dieses ist so erwartbar, dass man es hier verraten kann: Natürlich kriegen Charlotte und Anne ihre Männer wieder. Und Fiona kauft sich endlich eine Brille, damit sie die reizenden sozial benachteiligten Kinder, um die sie sich fortan kümmert, besser sehen kann. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 12.4.2013)

  • "Halbe Hundert" mit Martina Gedeck, Johanna Gastdorf und Leslie Malton.
    foto: ard

    "Halbe Hundert" mit Martina Gedeck, Johanna Gastdorf und Leslie Malton.

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