Western Union lockt Kleinbetriebe

11. April 2013, 17:24
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Finanzmarktaufsicht sieht dafür wenig Potenzial

Er wolle keinesfalls Beziehungen mit der Hausbank ersetzen, meint Peter Bucher, man habe hier aber viel Expertise und wolle diese daher mit weiteren Dienstleistungen nutzen. Bucher ist Geschäftsführer der Western Union International Bank und will sich vermehrt kleinen und mittleren Betrieben andienen. Der Finanzdienstleister ist für privaten Bargeldtransfer rund um den Globus bekannt. 2011 wurden in 200 Ländern mehr als 80 Milliarden Dollar transferiert. Western Union verbuchte dabei gut 226 Millionen Transaktionen. Es sind vor allem exotische und von anderen Banken wenig erschlossene Destinationen, über die der US-Konzern ein dichtes Netz an Vertriebsstandorten spannt.

Neben dem Bargeldtransfer für Konsumenten will Western Union nun auch Österreichs Unternehmen bei ihren Export- und Importgeschäften zur Hand gehen. In 30 Ländern ist das Unternehmen mit dem Service bereits präsent. Heu- er eröffneten entsprechende Geschäftsstellen in Wien und Frankfurt. Bucher spricht von einem österreichischen Marktvolumen von 130 Milliarden Euro, das sich auftue. Western Union wolle sich in den kommenden Jahren auf jeden Fall zwei Prozent davon sichern.

Grenzüberschreitende Zahlungen zu managen sei vor allem für Klein- und Mittelbetriebe eine Herausforderungen, ist Joanne Hunger, Leiterin der Western Union Business Solutions für Österreich, überzeugt. Diese, wie auch NGOs, könnten diesen Zahlungsverkehr nun in mehr als 135 Währungen innerhalb von zwei Tagen abwickeln und dabei ihr Währungsrisiko absichern. Die Kosten für die Transaktion bewegten sich je nach Währung zwischen zwei und 15 Euro. Kritik, dass Western Union gern für Geldwäsche missbraucht wird, weist Bucher vehement zurück. Der Konzern beschäftige 600 Mitarbeiter und investiere jährlich Millionen Dollar darin, um dies zu unterbinden.

Western Union werde für illegal gezahlte kleine Beträge von Finanzagenten in Ländern wie etwa Russland und der Ukraine immer wieder genutzt, sagt Klaus Grubelnik, Sprecher der Finanzmarktaufsicht. Ansonsten sei der Dienstleister sehr sauber und halte sich an die internationalen Standards. Die Konzession werde laufend überwacht. Dass er viele kleine und mittlere Unternehmen als Kunden gewinnen werde, glaubt er jedoch nicht. "Ich sehe die Vorteile nicht." Der bestehende Zahlungsverkehr laufe reibungslos. Nur wenige Kleinstbetriebe exportierten in exotische Märkte. Länder wie den Iran und Nordkorea, die mit Sanktionen belegt sind, betreut Western Union nicht. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 12.4.2013)

  • Hilfe bei Exporten: Peter Bucher, Western Union.
    foto: foto wilke

    Hilfe bei Exporten: Peter Bucher, Western Union.

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