"Renoir": Musenkuss in der Provence

11. April 2013, 18:21
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Der Franzose Gilles Bourdos nähert sich in seinem Film "Renoir" der Spätphase des impressionistischen Malers traditionell, anekdotisch an: Charakterkopf Michel Bouquet verkörpert den Künstler, der durch ein Modell neue Kräfte schöpft

Wien - Der Film heißt Renoir, aber die Erzählung kommt erst mit dem Auftauchen einer jungen, forschen Radfahrerin in Gang: Andrée Heuschling, gespielt von Jungstar Christa Theret (LOL), braucht dringend Arbeit, der impressionistische Meister Pierre-Auguste Renoir noch einmal eine neue Inspiration.

Es ist der Sommer des Jahres 1915. Auch auf französischem Boden wird Krieg geführt. Aber in Les Collettes, dem Anwesen des Malers in den Hügeln über Nizza, wird das ein Stück weit ausgeblendet. Der greise Renoir leidet an Arthritis, er schreit nachts vor Schmerzen. Erst das neue, ebenso eigensinnige wie skrupellose Modell mit den rotblonden Locken vermag ihn zu neuen Bildern anzuregen.

Autor und Regisseur Gilles Bourdos zeigt Pierre-Auguste Renoir als einen müden Patriarchen, der von seinem weiblichen Hofstaat aus ehemaligen Geliebten und Gesinde auch ganz buchstäblich getragen wird. Der große Charakterdarsteller Michel Bouquet verkörpert ihn mit einigem Nachdruck. Die Figur wirkt auch deshalb so zentral, weil sich aus dem restlichen Ensemble dane-ben niemand recht behaupten kann.

Dabei hat Andrée Heuschling unter ihrem Künstlernamen Catherine Hessling auch Spuren auf der Kinoleinwand hinterlassen: Die spätere Frau des Malersohns und bedeutenden französischen Filmemachers Jean Renoir spielte (nicht nur) in dessen frühen Kinowerken mit. Das Paar, das sich tatsächlich während des Krieges in Les Collettes kennenlernte, war nicht zuletzt durch eine Leidenschaft für den Film und die Suche nach neuen Ausdrucksformen verbunden - wie Jean Renoir viele Jahrzehnte später in Mein Leben und meine Filme schreibt: "Catherines Spiel war eine Art Pantomime. (...) Wir stellten uns vor, ihre Art, Gefühle auszudrücken, müsse mehr mit dem Tanz als mit dem Kino zu tun haben."

Geht man außerdem von Pierre-Auguste Renoirs Verdiensten um eine neue malerische Weltsicht aus, muss man Renoir, dem Film, leider eine doppelt konventionelle Perspektive attestieren. Das intensive Leuchten der Renoir'schen Gemälde ist hier Hintergrundeffekt bei einer naturalistischen, anekdotisch verkürzten Darstellung zwischenmenschlicher Ereignisse.   (Isabella Reicher, DER STANDARD, 12.4.2013)

  • Picknick im Freien - ein Lieblingsmotiv der Impressionisten: In "Renoir" muss der kränkliche Maler schon hingetragen werden.
    foto: polyfilm

    Picknick im Freien - ein Lieblingsmotiv der Impressionisten: In "Renoir" muss der kränkliche Maler schon hingetragen werden.

  • Christa Theret und Michel Bouquet in "Renoir".
    foto: polyfilm

    Christa Theret und Michel Bouquet in "Renoir".

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