Warum eine Handvoll Chips nicht genug ist

  • Einmal angefangen, fällt es schwer von Kartoffelchips die Finger zu lassen.
    foto: apa/barbara gindl

    Einmal angefangen, fällt es schwer von Kartoffelchips die Finger zu lassen.

Essen ohne Hunger: Nicht definierte Inhaltsstoffe scheinen auf das Lustzentrum im Gehirn zu wirken

New Orleans - Nach einer Handvoll Kartoffelchips können nur die wenigsten aufhören mit der Mampferei. Woran das liegt, hat nun ein Team von Wissenschaftlern zu ergründen versucht. Nach ihren vorläufigen Erkenntnissen muss es in den Chips noch nicht definierte Inhaltsstoffe geben, die direkt auf das Lustzentrum im Gehirn wirken, wie der Forschungsleiter Tobias Hoch aus Erlangen-Nürnberg heute bei einer Tagung der American Chemical Society in New Orleans mitteilte. Nur so lasse sich erklären, dass Menschen Chips immer weiter essen, auch wenn sie längst satt sind.

Aus der Wirkungsweise von Kartoffelchips lassen sich den Angaben zufolge Erkenntnisse über die "hedonistische Hyperphagie" gewinnen, die hunderten Millionen von Menschen weltweit zu schaffen mache. Das übermäßige Essen ohne wirkliches Hungergefühl sei in seiner chronischen Form ein Schlüsselfaktor in der epidemischen Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit, erläuterte Hoch.

Bisher wurde allgemein davon ausgegangen, dass der hohe Gehalt an Fett und Kohlenhydraten die "magische" Anziehungskraft von Snacks ausmacht. In Experimenten mit Ratten fand das Forscherteam an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg allerdings heraus, dass dies zur Erklärung allein nicht ausreicht.

Unbekannter Suchtauslöser

Die Forscher hatten den Ratten nach Angaben von Hoch in einer Serie von Fütterungen einmal die Chips vorgeworfen, ein anderes Mal vergleichbares Futter mit dem gleichen Anteil an Fetten und Kohlehydraten. Zwar aßen die Ratten von den Chips keine größeren Mengen als von dem anderen Futter - doch hinter dem Snack waren die Nager mit viel Aktivität hinterher. Messungen ergaben, dass beim Verzehr der Chips das Sucht- und Belohnungszentrum im Hirn der Ratten eine deutlich erhöhte Aktivität zeigte.

Können die bisher noch unbekannten molekularen Suchtauslöser in Snacks identifiziert werden, wird es den Wissenschaftern zufolge eventuell möglich, diesen Nahrungsmitteln künftig Substanzen beizumischen, die den "Lustfaktor" blockieren und so zu einem maßvolleren Konsum der Snacks führen. (APA, 11.3.2013)

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