"Dunkle Blitze" können für erhebliche Strahlendosis sorgen

11. April 2013, 14:08
54 Postings

Gewitterwolken stoßen auch Gamma-Blitze aus - Was das für die Strahlenbelastung von Flugzeugen und Passagieren bedeutet, haben nun US-Forscher geklärt

Wien - Nicht alle Gewitter-Entladungen sind mit freiem Auge gut sichtbar. Neben den herkömmlichen Lichtblitzen, entstehen bei heftigen Gewittern auch Gammastrahlen-Blitze. Diese sogenannten "terrestrischen Gammablitze" treten meist in jener Höhe auf, in der Verkehrsflugzeuge unterwegs sind. Derartige Blitze sind so energiereich, dass sie von Satelliten in vielen Tausend Kilometern Entfernung gemessen werden können, erklärten Experten bei der Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) in Wien. Für Flugzeuge und ihre Passagiere bestünde zwar keine unmittelbare Gefahr, dennoch könnten sie in seltenen Fällen eine erhebliche Strahlendosis abbekommen.

Dass Gewitter manchmal kurze aber energiegeladene Stöße von Gammastrahlen ausstoßen können, weiß man seit knapp einem Jahrzehnt. Wie sie in den Gewitterwolken entstehen, war allerdings bislang unklar. Daher war es bis vor kurzem auch schwierig zu sagen, ob dabei für Mensch und Maschine gefährliche Strahlungsmengen entstehen, sagt Joseph Dwyer vom Department of Physics and Space Science am Florida Institute of Technology.

"Dunkle Blitze"

Gemeinsam mit Kollegen hat er ein Modell erstellt, um dies zu erklären. Demnach würden sich in Gewittern auch Elektronen und ihre Antimaterie-Pendants, die Positronen, gegenseitig auslöschen. Das Ergebnis sind Gamma-Strahlen. Licht würde bei Gammablitzen kaum entstehen, daher nennen die Forscher sie auch "Dunkle Blitze". Sie würden lediglich blassblau fluoreszieren, so Dwyer.

Mit diesem Modell könne man auch ausrechnen, was mit Flugzeugen und ihren Passagieren geschieht, die "zur falschen Zeit am falschen Ort sind", so der Experte. Am oberen Ende der Gewitterstürme würden die Gammablitze eine Belastung wie etwa zehn Bruströntgen bringen.

Zehnmal höhere Dosen

"In der Mitte eines solchen Sturms kann die Dosis aber zehnmal größer sein, das entspricht etwa den höchsten Dosen, die man in der Medizin verwendet", erklärte Dwyer. "Diese Blitze sind kein Grund, dass die Leute nicht fliegen sollten, und auch als übervorsichtiger Vater habe ich keine Bedenken, wenn meine Kinder in einem Flugzeug unterwegs sind", sagte er.

Die Gammablitze könnten auch kritische Halbleiter-Bauteile in einem Flugzeug beeinflussen, so Marco Tavani vom Department of Physics der University Rom. Dies würde freilich sehr selten passieren, außerdem hätten die Flugzeuge genug Redundanz eingebaut, so dass es "normalerweise keine Probleme geben sollte". Dennoch sollten die Flugzeughersteller die Strahlen ernst nehmen und die Elektronik besser abschirmen, sagte er. Auch bräuchten Meteorologen und Fluglinien ein schnelles Warnsystem für terrestrische Gammablitze, um gefährdeten Gebieten ausweichen zu können. (APA/red, derStandard.at, 11.4.2013)

  • Über heftigen Gewittern entstehen auch energiereiche Gammablitze (in Violett). Für Flugzeuge und Passagiere kann das eine erhöhte Strahlendosis bedeuten.
    foto: nasa

    Über heftigen Gewittern entstehen auch energiereiche Gammablitze (in Violett). Für Flugzeuge und Passagiere kann das eine erhöhte Strahlendosis bedeuten.

Share if you care.