Diabetes: Hypoglykämie im Straßenverkehr ein großes Problem

11. April 2013, 13:41
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Österreichische Diabetikervereinigung setzt sich für unbefristeten Führerschein mit Auflagen beziehungsweise regelmäßigen Kontrollen ein

Wien - Zahlreiche Erkrankungen oder auch Therapien können das Fahrvermögen beeinträchtigen und machen daher bisweilen ein behördliches Einschreiten notwendig. Für Menschen mit Diabetes ist insbesondere die Vermeidung von Hypoglykämien (umgangssprachlich Unterzuckerung, Anm.Red.) von großer Bedeutung für die Sicherheit im Straßenverkehr.

Körperliche Anzeichen für Hypoglykämien sind vielfältig. Unter anderem leiden die Betroffenen unter Beklemmungs- und , Angstgefühlen, Verwirrtheit, Schwäche, Müdigkeit, Hunger, Schwindel und Benommenheit. "Wer diese Probleme häufiger bei sich bemerkt, sollte sich mit einem Arzt in Verbindung setzen", erklärte Heidemarie Abrahamian, Leiterin der Internen Abteilung im Wiener Otto-Wagner-Spital.

Rascher Blutzuckerabfall

Im Straßenverkehr kann Unterzuckerung ein großes Problem werden. Die Einstellung der Blutzuckerwerte in den Normbereich hat daher oberste Priorität für für Patienten mit Diabetes sein. Solange Patienten das Auftreten der einer Hypoglykämie rechtzeitig erkennen, ist die Situation mit zuckerhältige Nahrungsmittel rasch stabilisiert. Problematisch ist wenn der Patient unter einer Wahrnehmungssörung leidet, die Warnzeichen der Hypoglykämie also nicht erkennt. Ein rascher Blutzuckerabfall kann zur Bewusstlosigkeit führen. Sitzt der Patient gerade hinter dem Steuer, dann kann ein schwerer Unfall die Folge sein.

"Patienten, die für die Behandlung des Diabetes mellitus Medikamente einnehmen, die Hypoglykämien verursachen können, müssen vor Fahrtantritt und bei längeren Autofahrten zwischendurch Blutzucker messen, so Abrahamian.

Kritik an der neuen Regelung

Aktuell wurden Leitlinien für die gesundheitliche Eignung von Kraftfahrzeuglenkern erarbeitet, die einheitliche Kriterien und Vorgaben für Ärzte schaffen, die mit der Begutachtung von Lenkern befasst sind. Die körperlichen und mentalen Voraussetzungen für Lenker sind europaweit einheitlich für alle EU-Mitgliedstaaten festgelegt. Die Kriterien für Diabetiker wurden 2009 auf europäischer Ebene geändert, in Österreich 2011 rechtlich umgesetzt, und nun in die Arbeit der Experten eingeflossen. Abrahamian: "In der aktuellen Novelle zur Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung werden die Häufigkeit von Hypoglykämien und das Wissen über Unterzuckerung patientenbezogen und konkret in die Entscheidung zur Lenkfähigkeit einbezogen."

Eine wesentliche Neuerung in den EU-Kriterien ist die Erteilung der Lenkberechtigung für Motorrad- und Pkw-Lenker mit Diabetes, die mit Insulin oder speziellen Medikamenten behandelt werden, nur auf fünf Jahre befristet und unter der Auflage regelmäßiger Kontrolluntersuchungen erfolgt.

Genau hier setzt die Kritik der Österreichischen Diabetikervereinigung an, die in der Befristung eine Stigmatisierung ihrer Interessengruppe sieht: "Ein befristeter Führerschein bedeutet für Menschen, die durch ihre chronische Erkrankung beträchtliche finanzielle Belastungen haben, eine massive Ungleichstellung und natürlich regelmäßige zusätzliche Kosten zwischen 250 und 300 Euro - für Amtsärzte, Atteste und den neuen Führerschein," so die diplomierte Krankenschwester Elsa Perneczky von der Österreichischen Diabetikervereinigung und ortet hier einen Widerspruch zum Grundsatz der Gleichbehandlung in Österreich und der EU. Ihr Engagement gilt dem unbefristeten Führerschein mit Auflagen beziehungsweise regelmäßigen Kontrollen. (red, 11.4.2013)

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    foto: apa/norbert försterling
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