Perlentaucher-Autor Chervel rät "Spiegel" zu interner Revolution

11. April 2013, 15:16
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Nur Mitarbeiter des Print-"Spiegel" stellen derzeit die Mitarbeiter-KG, Onliner sind dort nicht vertreten - Nachrichtenmagazin agiere nicht als Gesamtheit

Wien/Hamburg - Der Rauswurf der beiden "Spiegel"-Chefredakteure Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo zeigt vor allem eines klar: Den Konflikt zwischen Print und Online. Beim "Spiegel" hat sich dieser Konflikt an der Debatte rund um Paid Content kanalisiert. Print-Chefredakteur Mascolo wollte mehr Inhalte hinter eine Bezahlschranke zwängen, Online-Chefredakteur Müller von Blumencron möglichst viele Inhalte weiter frei zugänglich lassen.

Thierry Chervel, Journalist und Mitbegründer von perlentaucher.de gibt in seiner Analyse Müller von Blumencron recht. "Ursprünglich war 'Spiegel Online' das Schaufenster des 'Spiegels' im Netz. Nun soll dieses Schaufenster, das beim Publikum inzwischen erfolgreicher ist als die Printausgabe, verklebt werden und selbst ein Schaufenster bekommen, während das Eigentliche hinter eine Paywall gesteckt werden soll: Und das soll den Spiegel retten?"

Selbst der "Spiegel" könne sich nicht an der Pay Wall der "New York Times" ein Vorbild nehmen, die sei im Gegensatz zum "Spiegel" eine globale Medienmarke mit einem Markt von Milliarden Lesern.

Internet als eigentliche Struktur der Öffentlichkeit

"Die Trennung zwischen Print, TV, Online ist zwar institutionell bombenfest - aber in der Wahrnehmung des Publikums und der Struktur der Öffentlichkeit längst von gestern", schreibt Chervel, "eigentlich gibt es nur noch online. Die eigentliche Struktur der Öffentlichkeit sei heute das Internet. Was nicht im Netz ist, ist nicht öffentlich, kann nicht zirkulieren, nicht auf Facebook diskutiert werden." Alle Medien müssten von der neuen Struktur der Öffentlichkeit her gedacht werden. Chervel gibt Medien nur dann eine Überlebenschance, wenn "sie sich als ein Gesamtes denken".

Als Gesamtheit agieren

Sich als Gesamtes sehen, betreffe auch die interne Struktur des "Spiegels". Was dieses ganzheitliche Handeln schwierig mache: Nur Mitarbeiter des Print-"Spiegel" stellen die Mitarbeiter-KG und halten damit mehr als die Hälfte des Unternehmens.

Diese Struktur könne allenfalls dann überleben, wenn die Mitarbeiter-KG auch zu den Mitarbeitern der anderen Unternehmentsteile geöffnet werde und der "Spiegel" mit all seinen Abteilungen als Ganzes agiert. Chevrel: "Das heißt, die Print-Leute müssen etwas abgeben. Auch die anderen müssen profitieren können." "Der Spiegel" müsse "den Medienwandel als interne Revolution vollziehen". (red, derStandard.at, 11.4.2013)

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Thierry Chervel: Der Medienwandel als interne Revolution  - Das Problem des Spiegels ist keines der Chefredaktion

  • Chervrel: "Die eigentliche Struktur der Öffentlichkeit ist heute das Internet."
    foto: apa/dpa/dpa/bodo marks

    Chervrel: "Die eigentliche Struktur der Öffentlichkeit ist heute das Internet."

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