Fast ein Interview

10. April 2013, 18:59
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Der Parteigründer wirkte wie ein alter Boxer, der mit Wattebäuschchen herumwirft

Ach Frank, wenn du so weitermachst, bist du bald wieder Teil des Systems - das war ja fast ein Interview! Hast dir ein üppiges Parteiprogramm abgerungen, und dann liest du es in der "ZiB 2" nicht einmal vor, lässt Armin Wolf Fragen stellen. Du wirktest wie ein alter Boxer, der mit Wattebäuschchen herumwirft.

Ein einziges Mal entschlüpfte dir das Ordnung schaffende "nochamaaal ...". Ganz sanft hast du Wahrheiten gehaucht, als gelte es, die Nation ja nicht aufzuwecken. Hast dich am Ende von Systemleuten coachen lassen? Vorsicht, sonst schicken sie dich im Waluliso-Gwand in den Wahlkampf! Es wäre doch noch vor kurzem undenkbar gewesen, dass dich Wolf mit "Ich bin noch nicht fertig!" zum Zuhörer macht.

Früher hättest du nach so was wütend sein Leben gekauft; jetzt aber war Diplomatie: "Ich hoffe, wir haben ein sachliches, vernünftiges Gespräch", hast du gesagt; und am Ende flehtest du gar um Zustimmung ("Heute war es besser als das letzte Mal?"). Was soll das? Und überhaupt: das Zugeständnis, deine Steuererklärung abfilmen zu lassen. Am Ende gibst du noch konkrete Zahlen, deine Pläne zur Verwaltungsreform betreffend, bekannt. So reformiert man kein Land.

Natürlich, nicht alles war übel. Wie du Wolf anbotst, ihm privat Wirtschaftsunterricht zu erteilen. Wie du nach dem Motto "Du Staatsangestellter, ich Steuerzahler!" Wolf als Systemler entlarvtest, der "mir im Herzen recht gibt", aber die Wahrheit nicht sagen kann, da sonst Jobverlust. Da erstrahlte jener TV-Entertainer Frank, nach dem die Heimat dürstet. Du sagtest es ja selbst: "Ihr könnt mich aufwecken in der Nacht, und ich sage die Wahrheit."

So ein Frank muss beratungsresistent bleiben. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 11.4.2013)

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