Grönlandwale profitierten vom vorangegangenen Klimawandel

14. April 2013, 15:05
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Ihre Lebensräume wurden nach der Eiszeit größer - die jetzige Erwärmung lässt diese allerdings wieder schrumpfen

Freiburg - Klimaveränderungen bringen Gewinner und Verlierer in der Tierwelt mit sich - und manchmal kann eine Spezies durch die gleiche Entwicklungstendenz auch zu beidem werden. Etwa der Grönlandwal, wie die Universität Freiburg im Breisgau berichtet: Diese bis zu 18 Meter lange Bartenwal-Spezies profitierte von der Erwärmung am Ende der letzten Eiszeit, weil sich ihr neue Lebensräume erschlossen. Auch heute erwärmt sich das Klima wieder - doch diesmal bringt es dem Grönlandwal keinen Nutzen mehr, im Gegenteil.

Zug nach Norden

Der Grönlandwal (Balaena mysticetus) lebt in den Polargewässern der Nordhalbkugel. Forschungsergebnisse von Biologen um Kristin Kaschner von der Uni Freiburg und Andrew Foote vom Natural History Museum of Denmark zeigen, dass Grönlandwale im Nordostatlantik dem Rückgang des Meereises nach Ende der letzten Eiszeit gefolgt sind. Anhand genetischer Analysen von Fossilfunden konnten die Wissenschafter nachweisen, dass die Wale ihr Verbreitungsgebiet an der Westküste Dänemarks und bei Südnorwegen weiter nach Norden, nämlich in die Gewässer von Grönland und Spitzbergen, verlegten.

Damit erschlossen sie ein großes Gebiet mit idealen Lebensbedingungen: relativ flache, küstennahe Gewässer in unmittelbarer Nähe der Eiskante. Mit der Verdreifachung des Lebensraums stieg die nordatlantische Population der Grönlandwale stark an. Über Jahrtausende hinweg zählten sie damit zu den Gewinnern der bis heute herrschenden Warmzeit.

... bis ab dem 16. Jahrhundert verstärkter Walfang einsetzte. Dieser verminderte den Bestand der Grönlandwale, vor allem im Nordostatlantik, so stark, dass sich dort die Population bis heute nicht erholt hat. Nach aktuellen Erhebungen leben derzeit nur noch ein paar Dutzend Tiere in den Gewässern rund um Spitzbergen. Weltweit gibt es schätzungsweise zwischen 5.000 und 8.000 Grönlandwale, allerdings leben diese fast alle im Nordpazifik.

Endstation

Und nun kommt der Klimawandel hinzu, der der atlantischen Population diesmal allerdings aus geografischen Gründen keinen Vorteil mehr bringt: Noch weiter nördlich werden sich keine flachen Küstengewässer mehr als neue Lebensräume auftun. "Aufgrund der Meereserwärmung werden die Lebensräume in den heutigen Polargebieten des Nordatlantiks zunehmend schrumpfen und sich möglicherweise bis zum Ende des Jahrhunderts halbieren", sagt Kaschner. "Es ist zu befürchten, dass der durch den Menschen verursachte erneute Klimawandel als zusätzlicher Faktor zum Aussterben des Grönlandwals im Nordostatlantik beitragen könnte." (red, derStandard.at, 14. 4. 2013)

 

  • Im Nordatlantik galt der Grönlandwal schon als ausgestorben, doch eine sehr kleine Population konnte sich halten. Vermutlich sind einige echte Veteranen darunter - die Tiere können an die 200 Jahre alt werden.
    foto: andy foote, disko bay bowhead whale project

    Im Nordatlantik galt der Grönlandwal schon als ausgestorben, doch eine sehr kleine Population konnte sich halten. Vermutlich sind einige echte Veteranen darunter - die Tiere können an die 200 Jahre alt werden.

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