Microsoft attackiert Google wegen Datenweitergabe an App-Anbieter

10. April 2013, 14:15
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Neuer Anlauf von "Scroogled" - Name, E-Mail und grober Wohnort werden an App-Entwickler im Play Store übermittelt

"Scroogled", Microsofts fortlaufende Initiative im Kampf gegen Google, ist um einen weiteren Eintrag reicher. Nach Attacken gegen Gmail und Google Shopping nimmt man nun den Play Store ins Visier.

Daten gehen an Entwickler

Grundlage sind Datenschutzbedenken, die bereits im Februar laut geworden sind. Erwirbt man im Play Store eine App, werden dem Anbieter Name, E-Mail-Adresse und der grobe Wohnort des Käufers übermittelt. Als Bezahldienst bei Play kommt Google Wallet zum Einsatz, die Daten sind notwendig um die Transaktionen durchzuführen, teilte Google damals mit. Dies wird auch zumindest schon seit August 2012 so gehandhabt, schreibt ComputerWorld.

In den Nutzungsbestimmungen und der Privacy Policy ist das entsprechend vermerkt. Eine ähnliche Praxis verfolgen laut TechCrunch auch viele andere Plattformbetreiber, etwa Amazon. Bei Microsoft findet sich in den AGB und Datenschutzerklärungen kein Hinweis auf ein derartiges Vorgehen. Apple übermittelt diese Daten nur, wenn über eine App eine periodische Zahlung gestartet wird, und informiert den User mit einem entsprechenden Hinweisfenster. Im Play Store erfolgt keine zusätzliche Warnung.

Kritik von Datenschützern

Dass Google anders vorgeht, soll daran liegen, dass das Unternehmen Bezahlungen nicht selbst weiterleitet, sondern eine direkte Geschäftsbeziehung zwischen App-Entwicklern und den Käufern ermöglicht. Wallet kommt nur als Bezahlfeature zum Einsatz, so die Erklärung des Unternehmens. Das Prinzip wird öfters mit Ebay verglichen, wo ebenfalls Händler und Abnehmer unmittelbar miteinander interagieren und das im Besitz von Ebay befindliche Paypal ebenfalls nur eine reine Bezahllösung darstellt.

Vor zwei Monaten wurde der Status quo bereits von Consumer Watchdog in einem Brief an die Federal Trade Commission thematisiert, da Google damit angeblich gegen ein geschlossenes Agreement mit der Organisation verstößt. "Diese Ausnahme ist nicht einmal in den Google Play Datenschutzrichtlinien aufgeführt", kritisierten die Datenschützer. "Selbst wenn es der Fall ist, rechtfertigt es nicht die Weitergabe von Nutzerinformationen an die Entwickler. Einfach gesagt: Die weitergegebenen Informationen sind nicht 'notwendig', um solche Transaktionen durchzuführen."

Laut Medienberichten (etwa der "LA Times") waren sich viele Entwickler gar nicht im Klaren, dass sie überhaupt Zugriff auf diese Daten haben, so die Gruppierung weiter. Die Softwarehersteller, die ihre Programme auf Play feilbieten, verpflichten sich in den Geschäftsbedingungen der Play-Plattform, mit den übermittelten Daten vertraulich umzugehen und sie auch nicht weiterzugeben.

Microsoft lockt mit Windows Phone und Bing

Zwei Monate später springt Microsoft, die Google auch im Rahmen von Anti-Trust-Anstrengungen auch auf europäischer Ebene begegnen, nun auf den Zug auf. "Google teilt ihre persönlichen Informationen mit App-Herstellern", warnt der Konzern. "Wenn man Googles App-Store nicht trauen kann, wie kann man ihnen bei irgendetwas anderem trauen?", wirft man in Videos, Zeitungsanzeigen und der Kampagnen-Website in den Raum und rät naturgemäß zum Umstieg auf ein Windows Phone-Handy und zur Nutzung der eigenen Suchmaschine Bing. Man widmet dem Thema auch einen eigenen Technet-Blogpost.

Riskante Kampagne

Auch wenn man sich selbst wohl derartiges nicht vorzuwerfen hat, ist die "Scroogled"-Kampagne für Microsoft nicht unriskant, hält The Verge fest. Viele Kunden dürften dieser aus dem politischen "Dirty Campaigning" abgeschauten Werbeform skeptisch gegenüber stehen, zumal es im Kampf um Marktanteile für das hinterherhinkende Windows Phone eine gewisse Verzweiflung durchscheinen lässt. Bei einem eigenen Verstoß in Sachen Datenschutz könnte noch dazu einen sehr heftigen Backlash auslösen.

Microsoft hat durchaus Erfahrung mit fehlgeschlagenen Kampagnen gegen die Konkurrenz. Erst im Dezember wollte man auf Twitter unter dem Hashtag #DroidRage Malware-Horrorgeschichten über das Android-Betriebssystem hören und verloste dafür Windows Phones. Statt Erzählungen ängstlicher Android-User hagelte es jedoch Beschwerden über die Unzulänglichkeiten von Windows beziehungsweise Windows Phone unter der Gegenbewegung #WindowsRage. (Georg Pichler, derStandard.at, 10.4.2013)

  • Die Weitergabe von Nutzerdaten an App-Anbieter steht im Fokus der jüngsten "Scroogled"-Kampagne.
    foto: microsoft

    Die Weitergabe von Nutzerdaten an App-Anbieter steht im Fokus der jüngsten "Scroogled"-Kampagne.

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