Türtüftler für Europäischen Erfinderpreis nominiert

10. April 2013, 11:20

Erfinder der Vorarlberger Julius Blum GmbH haben mit ihren sanft schließenden Türen die Chance auf eine Auszeichnung

Wien - Letztes Jahr war es der Gleisbaupionier Josef Theurer, heuer sind es ihrer gleich drei. Claus Hämmerle und Klaus Brüstle von der Julius Blum GmbH aus Höchst (Vorarlberg) sowie Martin Schmidt von Siemens VAI Metals Technologies in Linz (Oberösterreich) sind nominiert. Erstere haben einen Mechanismus für sanft schließende Türen erfunden, Letzterer einen nachhaltigen Stahlproduktions-Prozess. Verliehen wird der Preis am 28. Mai, wie das Europäische Patentamt (EPA) am Mittwoch mitteilte. Insgesamt gibt es 15 Anwärter darauf. 

Aktive Vorarlberger

Hämmerle und Brüstle wurden für die bereits 13 Jahre alte Erfindung eines Mechanismus für sanft schließende Türen, vom Unternehmen "Blumotion-Technologie" genannt, von einer internationalen Jury in der Kategorie "Industrie" nominiert. Dank einer konsequenten Patentstrategie bei der Entwicklung der Möbel-Technologie habe sich das Vorarlberger Familienunternehmen zu einer global operierenden Firma mit Niederlassungen in Polen, den USA und Brasilien entwickelt, heißt es in einer Aussendung des Europäischen Patentamts.

"Patente spielen im Möbelsektor eine ganz besondere Rolle, was vielen Leuten kaum bekannt ist", erklärte Firmenchef Julius Blum in der Aussendung. Mit 50 Patentanmeldungen jährlich gehört sein Unternehmen laut Patentamt zu den aktivsten Ideenschmieden Österreichs und wendet rund vier Prozent seines Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf. Allein die Scharnier-Technologie sei mit 300 Patenten geschützt, zehn davon betreffen das Dämpfer-System. Insgesamt hält die Firma heute über 1.000 Patente. 5.700 Mitarbeiter, davon 4.350 in Vorarlberg, erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von 1,26 Mrd. Euro, 96 Prozent davon im Ausland.

Günstiger Stahl

Martin Schmidt wurde zusammen mit Sanghoon Joo und Myoungkyun Shin von Posco Engineering, einer Tochter des koreanischen Stahlproduzenten Pohang Iron and Steel, in der Kategorie "Außereuropäische Staaten" für die Entwicklung der sogenannten FINEX-Methode nominiert. Diese Technologie hat die nachhaltige Verhüttung von Eisenerz zu Stahl bei gleichzeitiger Senkung der Produktionskosten zum Ziel. Diese Erfindung leiste einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stahlgewinnung, "solche Entwicklungen stärken die technische Leistungsfähigkeit der Industrie und damit die Wettbewerbsfähigkeit Europas", erklärte EPA-Präsident Benoit Battistelli.

Die 2003 erstmals in Südkorea erprobte FINEX-Technologie macht es laut EPA möglich, Hochöfen zur Verhüttung von Eisenerz auch ohne Versinterung und teuren Koks zu betreiben und stattdessen einfache Kohle zu verwenden, bei gleicher Stahlqualität. Dadurch würden sich Kosteneinsparungen von bis zu 25 Prozent erzielen lassen. Bei dem Verfahren wird Eisenerz durch chemische Reaktionen unter Einsatz eines speziellen Gases als Katalysator reduziert. Dabei werden fast sämtliche Emissionen von Schwefel, Stickoxiden und Staub eliminiert, die üblicherweise bei der Stahlgewinnung anfallen und das Klima belasten. 99 Prozent der gasförmigen Rückstände werden aufgefangen und der Stromerzeugung im Werk zugeführt. Auf diese Weise kann der Energieaufwand bei der Stahlgewinnung gegenüber herkömmlichen Öfen um 2,5 Gigajoule pro Tonne gesenkt werden. (APA, 10.4.2013)

Share if you care
2 Postings
Die "Blum" Scharniere sind erstklassig, besonders die, die zum Ausbau mit einem Handgriff ausklinkbar sind.

Außerdem ist die Firma ein Musterbeispiel an Kundenfreundlichkeit.

Wo bekommt man sonst nach Jahren Ersatz für Scharniere, ohne eine Rechnung zu haben, in Form von fabriksneuen Scharnieren und auch noch völlig kostenlos?

Aber gerade dieses "sanfte Schließen" hab ich erst als etwas lästig empfunden, man muss zum Schließen immer ein bisschen antauchen und hat das Gefühl die sind nicht ganz zu.

Da waren mir die Alten, die schön "zuknallten" fast lieber.

Na ja, Geschmackssache ...

Sonst: Gratulation!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.