Lehrerausbildung: ElementarpädagogInnen sind "wütend und entsetzt"

10. April 2013, 10:08
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Berufsgruppenvertreterin Raphaela Keller kritisiert Regierung für Reform der Lehrerausbildung: "Anschlag auf die Zukunft Österreichs"

Vor knapp einer Woche wurde von Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle die Einigung zur Reform der Lehrerausbildung präsentiert. Demnach sollen alle PädagogInnen künftig auf Master-Niveau ausgebildet werden. Alle? Nein, die ElementarpädagogInnen, also jene PädagogInnen, die die Kinder im Kindergarten betreuen, wurden nicht berücksichtigt.

In einem offenen Brief an die Abgeordneten des Nationalrats lässt Raphaela Keller, Vorsitzende des Österreichischen Dachverbands der Berufsgruppen der Kindergarten- und HortpädagogInnen, ihrem Unmut nun freien Lauf.

PädagogInnen "völlig desillusioniert"

Keller schreibt: "Wir sind wütend und entsetzt." Die ElementarpädagogInnen hätten große Erwartungen in die Reform der Lehrerausbildung gesetzt, damit eine Gleichstellung aller PädagogInnen passiere. Nach der Präsentation vergangene Woche seien die Betroffenen aber völlig desillusioniert worden.

"Werden unten gehalten"

Für Keller stellt der Gesetzesentwurf einen Rückschritt dar. Denn in den bisherigen Expertisen zur neuen PädagogInnenbildung sei eine akademische Ausbildung für die Elementar- und Frühpädagogik auf allen Ebenen vom Bachelor über den Master bis hin zum PhD eindeutig und gleichwertig vorgesehen gewesen. Keller empört sich darüber, dass die PädagogInnen, die in den Krippen, Krabbelstuben und Kindergärten die elementare Bildungsarbeit leisten, nun weiterhin "unten gehalten" werden.

In erster Linie seien Frauen betroffen, bedauert Keller. Aber auch bildungsbewusste Männer würden diskriminiert: "Sie wollen nicht in einem Bildungsbereich arbeiten, dessen Wert sich nicht im Handeln von PolitikerInnen widerspiegelt!"

"Jahrelang angelogen"

Die PolitikerInnen, an die Kellers Brief adressiert ist, werden scharf kritisiert: "KindergartenpädagogInnen hören seit Jahren in Sonntagsreden, dass der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung wesentlich zum weiteren Bildungserfolg von Kindern beiträgt. Das verpflichtende Kindergartenjahr und die frühe Sprachförderung werden als Erfolgsgarant für einen geglückten Start in die Schule gepriesen. Wie kommt eine so große Gruppe von PädagogInnen dazu, dass sie offensichtlich jahrelang angelogen wird?"

Reformen möglich

Keller sieht im Gesetzesentwurf einen Anschlag auf die Zukunft Österreichs und auf bereits geleistete Arbeit an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen. Die Universität Graz habe gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Steiermark und der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Graz sowie der pädagogischen Hochschule Burgenland bereits ein Curriculum für das Studium der Elementarpädagogik erstellt. Für Keller zählen Aussagen von Politikern daher nicht, wonach die Universitäten und Pädagogischen Hochschulen noch nicht bereit wären, die Aufgabe der Ausbildung der ElementarpädagogInnen zu übernehmen.

Keller ruft die Parlamentarier auf, dem Gesetzesentwurf nicht zuzustimmen: "Die Aufwertung von ElementarpädagogInnen muss in der ursprünglich vorgesehen Form erfolgen." Die Begutachtungsfrist läuft bis 3. Mai. (rwh, derStandard.at, 10.4.2013)

  • "Wie kommt eine so große Gruppe von PädagogInnen dazu, dass sie offensichtlich jahrelang angelogen wird?" Die ElementarpädagogInnen fordern die gleiche Ausbildung wie andere Lehrer auch.

    "Wie kommt eine so große Gruppe von PädagogInnen dazu, dass sie offensichtlich jahrelang angelogen wird?" Die ElementarpädagogInnen fordern die gleiche Ausbildung wie andere Lehrer auch.

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