Versteigerung: Ganz sicher aber ein Klimt

9. April 2013, 18:16
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Das Auktionshaus im Kinsky kündigte eine kleine Sensation an: Am 23. April sollte ein bisher verschollenes Porträt von Gustav Klimt versteigert werden

Wien - Im Onlinekatalog für die Meisterwerke-Auktion am 23. April im Kinsky wird eine bisher verschollen geglaubte Studie eines alten Mannes mit Efeukranz angeboten. Der Schätzpreis liegt zwischen 70.000 und 140.000 Euro. Als Urheber nennt man einen klingenden Namen: Gustav Klimt. Und man nennt ihn nicht ohne Grund. Denn in den Werkverzeichnissen von Johannes Dobai, Alfred Weidinger und Tobias Natter wird das kleine Ölgemälde Gustav Klimt zugeschrieben.

Doch nun, am Dienstag, machte das Auktionshaus in einer Presseaussendung einen Rückzieher: "Gustav oder Ernst Klimt? Wer ist der Schöpfer?" Unter den "höchstrangigen" Experten sei "ein Streit darüber entbrannt", von wem das Werk tatsächlich stamme.

Das Kinsky hatte Hansjörg Krug vom Antiquariat Nebehay und Marian Bisanz-Prakken, eine Spezialistin für die Zeichnungen von Gustav Klimt, um Begutachtung des Bildes ersucht. Beide bestätigten die in den Werkverzeichnissen vertretene Ansicht, dass das Porträt von Gustav Klimt sei. Auch Herbert Giese, ehemaliger Miteigentümer des Auktionshauses, schloss sich der Meinung an. Giese ist ein Experte für Fragen zur Künstlerkompanie, die Gustav und Ernst Klimt mit Franz Matsch bildeten. Seiner Meinung nach könnte von Ernst Klimt "allenfalls ein Entwurf" stammen.

Doch Weidinger, Vizedirektor des Belvedere, machte dem Kinsky einen Strich durch die Rechnung: Er revidierte sein Urteil.

Alfred Weidinger erklärt, dass er in seinem Werkverzeichnis einfach die Zuschreibung von Fritz Novotny und Johannes Dobai übernommen hatte - mangels Informationen über die verschollene, nur von einer Schwarz-Weiß-Reproduktion bekannte Studie. Im Sommer 2012 aber habe ihn auf Vermittlung des Denkmalamtes ein Mann kontaktiert, der die Studie verkaufen wollte. Er hätte, so Weidinger, Ernst Klimt als Maler genannt. Und als Provenienz gab der Mann an, seine Mutter hätte das Bild vor einem halben Jahrhundert im Dorotheum erworben.

Als Weidinger die Studie eines alten Mannes mit Efeukranz sah, fiel ihm sofort die Nähe zum Gemälde Pan und Psyche (1892) auf, das von Ernst Klimt stammt. Das Belvedere hatte dieses großformatige, bis dahin unbekannte Bild erstmals 2010 öffentlich präsentiert. Es war auch jetzt, im August 2012, ausgestellt - in der Jubiläumsausstellung 150 Jahre Gustav Klimt. Weidinger verglich sofort die Studie mit der Leihgabe aus Privatbesitz: "Der alte Mann mit Efeukranz konnte für mich zweifelsfrei als Studie für das Haupt des Pan definiert werden."

Da das Belvedere kein Ankaufsinteresse signalisierte, wandte sich der Mann ans Auktionshaus im Kinsky. Zur Überraschung von Weidinger wurde die Studie in der Folge als Werk von Gustav Klimt vermarktet. Er machte das Kinsky auf die falsche Zuschreibung aufmerksam, doch das Auktionshaus reagierte zunächst nicht. Weidinger wies unter anderem darauf hin, dass die Klimt-Brüder immer mit ihren Vornamen signierten, um sich voneinander abzugrenzen. Diese Studie trägt - möglicherweise aufgrund von (nachträglichen?) "Verwischungen" - nur die Signatur "Klimt". Doch auch diese stamme, wie das markante "K" beweise, eindeutig von Ernst Klimt.

Weidinger fand zudem heraus, dass die Studie nicht vom Dorotheum, sondern vom Kunstauktionshaus Kärntnerstraße versteigert wurde - "unter der Los-Nummer 51 als Ernst Klimt". Und zwar 1942. Eine Erforschung der Provenienzen erscheint angebracht. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 10.4.2013)

  • Der Vergleich macht den Klimt-Experten Alfred Weidinger sicher: Die "Studie eines alten Mannes mit Efeukranz" (re.) stammt wie das Gemälde "Pan und Psyche" (Ausschnitt) von Ernst Klimt.
    fotos: belvedere

    Der Vergleich macht den Klimt-Experten Alfred Weidinger sicher: Die "Studie eines alten Mannes mit Efeukranz" (re.) stammt wie das Gemälde "Pan und Psyche" (Ausschnitt) von Ernst Klimt.

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