"Frank hat mir eine Chance gegeben"

9. April 2013, 14:59
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Viel heiße Luft über weißen Tischtüchern: Frank Stronach präsentiert sein Team, Inhalte bleiben vage

Der Kollege vom ORF-Radio steht, der Redakteur der Bundesländerzeitung ebenfalls, und noch einige andere JournalistInnen haben keinen Sitzplatz mehr gefunden im prunkvollen Börsensaal des Palais Ferstel, wo das Team Stronach an diesem Dienstagvormittag sein Parteiprogramm präsentieren will. Das liegt nicht nur am großen Medienandrang: Ungefähr ein Drittel der Anwesenden sind Stronach-Personal, deutlich geschmückt mit Stronach-Anstecknadeln und jederzeit bereit, zu klatschen und zu lachen, wenn Stronach einen seiner mittlerweile bestens bekannten Sprüche ablässt. "Ich werde die Regierung auf Schuss halten!", verspricht Stronach für den Fall, dass er, der im Herbst Spitzenkandidat für den Nationalrat sein will, ins Parlament gewählt wird. "Hahaha, der Frank, der kann's wieder", freut sich ein älterer Mann im Publikum.

Was hier dargeboten wird, ist eher Zeremonie denn Pressekonferenz. Nicht wie sonst üblich drei, vier Ansprechpartner sitzen am mit weißen Tischtüchern bedeckten Podium, sondern 20 Männer und Frauen flankieren den Parteigründer, um lebender Beweis zu sein, "dass unsere Bewegung nicht nur aus mir besteht", so Stronach.

"Stronach im Jänner kennengelernt"

Weg vom Ruf der Ein-Mann-Partei: Das soll wohl die Botschaft der Veranstaltung sein, denn um das "Grundsatzprogramm" der Partei geht es nur am Rande. Vielmehr sollen die Gesichter der Partei präsentiert werden. Das sind konkret die Leiter und Leiterinnen jener Arbeitsgruppen, die das Parteiprogramm ausgearbeitet haben. "Ich habe Frank Stronach im Jänner kennengelernt, und er hat mir seine Werte beigebracht", sagt der Triathlet Christian Troger. Und da er "immer schon politisch etwas weiterbringen wollte" und "Frank mir eine Chance gegeben hat", sei er jetzt eben dabei. Welche Inhalte er vertrete, was seine politischen Zielsetzungen sind, erfährt man nicht. Ebenso bei Kommunikationsberaterin und Ex-Model Ulla Weigerstorfer: "Ich sag's ganz ehrlich, mich hat die Dynamik dieser Bewegung einfach ergriffen."

Wenn es Inhalte gibt, dann bleiben sie vage: Schulden abbauen, Gewinnbeteiligungen für ArbeitnehmerInnen, fünfprozentige Einsparungen bei den Verwaltungsausgaben innerhalb einer Regierungsperiode, "Richtern mehr Kapazitäten zurückgeben" und ein neues, "faires Währungssystem": so weit die Schlagworte. Fragt man jedoch nach Details, heißt es: "Haben Sie Geduld, in ein paar Wochen wissen wir mehr."

"Nichts Falsches sagen"

So meint die Zuwanderungs-Beauftragte Kathrin Nachbaur etwa, man setze sich für qualifizierte Wirtschaftsmigration ein, nicht aber für "Zuwanderung ins Sozialsystem". Auf die Frage, wie sie sich den Umgang mit jenen Menschen vorstelle, die als Asylsuchende oder Familienangehörige bereits hier ansässiger Menschen ins Land kommen, wird man vertröstet: So genau wisse man das noch nicht, das sei noch Gegenstand der Verhandlungen. Außerdem: "Ich will nichts Falsches sagen und nichts, was der Parteilinie widerspricht", bittet Nachbaur. Kein Wunder: Die Grundzüge des Asyl- und Niederlassungsrechts sind in Österreich durch Konventionen und EU-Recht vorgegeben - und wären selbst im Fall einer Regierungsbeteiligung des Teams Stronach nicht einfach radikal veränderbar. So bleibt es vorerst beim losen Schlagwort. "In ein paar Wochen wissen wir mehr", versichert die Juristin.

Ähnlich steht es um die Frage nach dem "Ehrenkodex" der Partei. "Wer sich nicht daran hält, wird ausgeschlossen", gibt Stronach den harten, aber gerechten Parteichef. Wer sich jedoch die Punkte des Ehrenkodex durchliest, findet sich in einer Grobzusammenfassung des Parteiprogramms wieder: "Die Verwaltung vereinfachen", heißt es da und "einen ausgeglichenen Haushalt erreichen". Ziele also, die kein Parteimitglied allein erreichen - und somit auch nicht verfehlen - kann.

Aufhorchen lässt Stronach mit einem neuen Wahlrechtsmodell. So fordert er nicht nur einen von 183 auf 150 Mitglieder geschrumpften Nationalrat, sondern auch 50 reservierte Plätze für Bürgervertreter". Wer mindestens 250 Unterstützungsunterschriften zusammenbringt, solle die Möglichkeit haben, sich im Regionalwahlkeis einer Wahl zu stellen, und das ganz ohne Partei. Der oder die Stimmenstärkste im jeweiligen Wahlkreis erhalte dann einen Fixplatz im Nationalrat. Doch nicht alle sollen sich der Wahl stellen können: Mindestens 35 Jahre alt muss man sein, in den vergangenen zwei Jahren in keiner Partei engagiert und unbescholten. In der eigenen Partei nimmt man es mit diesen Kriterien offenbar nicht so streng: Viele der heutigen Stronach-FunktionärInnen sind fliegend von anderen Fraktionen zum Team Stronach gewechselt.

Stronach-Abwahl? Keine Antwort

Als ein niederländischer Journalist wissen will, ob es im Team Stronach denn möglich sei, den Parteigründer abzuwählen oder zu überstimmen, gerät Stronach ins Stocken. Es gehe ja nicht um ihn, sondern um "die Werte", beteuert der 80-Jährige. Eine Antwort auf die Frage bleibt er jedoch schuldig.

Was das Tiroler Wahlchaos betrifft (derStandard.at berichtete), scheint die Person Stronach dann aber doch entscheidend zu sein: "Ich fliege morgen nach Tirol und halte eine Ansprache", sagt der Parteichef, "und dann werden wir unsere Entschlüsse ziehen." Diese scheinen bereits festzustehen, denn: Das Ergebnis der Tiroler Beratungen "werden Sie Donnerstag oder Freitag in einer Tiroler Zeitung lesen", verkündet Stronach. "In einem Inserat." (Maria Sterkl, derStandard.at, 9.4.2013)

  • Zeremonienmeister Stronach und Gefolge im noblen Wiener Innenstadtpalais.
    foto: standard/corn

    Zeremonienmeister Stronach und Gefolge im noblen Wiener Innenstadtpalais.

  • "Es geht um die Werte, nicht um mich": Frank Stronach.
    foto: apa/techt

    "Es geht um die Werte, nicht um mich": Frank Stronach.

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