Digitalbibliothek für die US-Nation

9. April 2013, 11:06
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Mit der Digital Public Library of America soll eine nichtkommerzielle Variante zu Googles Buchsuche entstehen

Die künftig größte öffentliche Bibliothek der USA wird am 18. April aufsperren. Sie wird ohne Bücherregale auskommen, wird 24 Stunden am Tag geöffnet sein. Zu finden sein soll hier letztendlich das gesamte in den USA verwahrte Wissen in gedruckten Dokumenten. Die beim Start zunächst zwei bis drei Millionen Werke werden für jeden Bürger von Alabama bis Wyoming mit der gleichen Anstrengung erreichbar sein: mit ein paar Klicks oder Fingertipps in der Digital Public Library of America (DPLA).

Auffällig

Während in Europa viele Staaten sich um den Aufbau digitaler Nationalbibliotheken bemühen, lagen die USA auf diesem Gebiet bisher auffällig zurück. Dieses Versäumnis soll jetzt mit der DPLA aufgeholt werden. Angeregt vom Historiker Robert Darnton von der Harvard Universität haben sich dafür wichtige amerikanische Bibliotheken, Universitäten, Museen und Regierungsstellen, aber auch unabhängige Institutionen wie das Internet Archive oder PublicResource.org zusammengetan.

Das Ziel: Die Bestände der amerikanischen Forschungseinrichtungen, Archive und Museen in digitalisierter Form allen US-Bürgern online und kostenlos zugänglich zu machen, sukzessive auch allen Interessierten in anderen Ländern. Zunächst können über die Digital-Bibliothek Bücher, Manuskripte und Kunstwerke, die bereits in digitalisierter Form in US-Archiven vorliegen, aufgerufen werden. Kooperiert wird dabei auch mit Europeana.eu, einer von der EU initiierten virtuellen Bibliothek, die einer breiten Öffentlichkeit das wissenschaftliche und kulturelle Erbe Europas in Form von Bild-, Text-, Ton- und Videodateien zugänglich machen soll.

Darntons Vorstellungen zufolge soll das Projekt eine nicht-kommerzielle Variante zu Googles 2004 gestartetem Projekt Book Search sein, eine digitale Bibliothek mit Millionen Büchern, die über das Urheberrecht gestolpert ist. Google hatte sich nach Kritik 2008 bereit erklärt, für seine kommerzielle Buch-Datenbank Geld an Autoren und Verlage zu zahlen.

Im Gegenzug sollten Bibliotheken und andere Institute (die Google ihre Werke kostenlos zum Digitalisieren zur Verfügung stellten) Abonnements für die Nutzung abschließen können. Darnton, der auch Leiter der Harvard-Bibliotheken ist, warnte seinerzeit vor einem "Monopol der neuen Art, nicht bei Eisenbahnen oder Stahl, sondern beim Zugang zu Informationen". 2011 erklärte ein Bundesgericht das Google-Vorhaben für unrechtmäßig.

70 Jahre

Doch auch DPLA sieht sich mit dem Urheberrecht konfrontiert. In den USA gilt das Copyright bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Jegliche Werke sind sofort nach Erscheinen geschützt, selbst wenn Autoren das nicht wollen. Digitalisiert werden können sie nur mit Zustimmung des Rechteinhabers. Oft sind diese aber nicht bekannt.

"Damit es funktioniert, müssen wir groß denken und klein starten", schreibt Darnton im New York Review of Books. Harvard wird zum Start unter anderem 243 Manuskripte aus dem Mittelalter, 3628 Daguerreotypien, die ersten Fotos von der Mondoberfläche sowie Krimiliteratur aus dem 18. und 19. Jahrhundert bereitstellen. (kat)

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