Förderung der kreativen Community: Wien soll Hamburg werden

9. April 2013, 16:06
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Die Stadt Hamburg lässt sich ein eigenes Referat für Kunst und Kreativwirtschaft 700.000 Euro im Jahr kosten

Die kreative Branche ist immer öfter von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen: Traditionelle Anstellungsverhältnisse verschwinden zusehends und die soziale Absicherung ist alles andere als selbstverständlich. Daher sollen auch in Wien neue Maßnahmen zur Förderung der kreativen Szene geschaffen werden. Um über Möglichkeiten zu diskutieren, wurde die Tagung "Kreativquartiere – Neue Strategien für die Cultural & Creative Industries" in Wien veranstaltet.

Wie ein passendes Umfeld für die Kreativindustrie aussehen kann, zeigt die Stadt Hamburg vor. Dort wurde 2010 das Referat für Kunst und Kreativwirtschaft ins Leben gerufen, das jährlich mit 700.000 Euro aus der öffentlichen Hand subventioniert wird. Die Aufgabe des Referats: Interessensvertretung und Förderung der kreativen Community.

Von der Förderung nicht erfasst

Dass diese Art der Kreativförderung notwendig ist, hat für Inga Wellmann, Leiterin des Hamburger Referats, vor allem einen Grund: "Gerade Mikro-Betriebe und Hybrid-Berufe, wie sie in diesen Branchen oft zu finden sind, werden meist nicht von der Wirtschaftsförderung erfasst." Damit sind insbesondere Ein-Personen-Betriebe und kreative Berufe gemeint, die unterschiedliche Aufgaben und Branchen in sich vereinen.

Zur Gemeinschaft dieser sogenannten Kreativkultur zählen Designer und Musiker ebenso wie Filmemacher und Schriftsteller, aber auch bildende Künstler oder Journalisten. Laut Wellmann sei es für die kreative Community zunächst einmal wichtig zu wissen: Was gibt es überhaupt für Fördermöglichkeiten und an wen kann ich mich mit meinen Probleme wenden? "Dafür haben wir ein Finanzierungs- und Förderregister entwickelt", so die Hamburger Referatsleiterin.

Kreative Community zunächst skeptisch

"Unser Portfolio reicht von Förderung der Infrastruktur über Rechtsberatung bis hin zur Immobilienvermittlung", erklärt Inga Wellmann. Die Nachfrage nach den Angeboten sei seit der Gründung stetig gestiegen. "Auch wenn die Community der Kreativwirtschaft zunächst skeptisch gegenüber stand."

Einen Grund für den Zulauf sieht Wellmann darin, dass die Zusammenarbeit mit den Kreativakteuren von Anfang an auf Augenhöhe passiert ist. Dadurch konnten in Kooperation mit der Hamburger Stadtverwaltung zum Teil Immobilien erschlossen werden, die der Community ansonsten verwehrt geblieben wären. Ein Beispiel dafür ist die Hafencity. "Wir setzen uns dafür ein, dass das Areal dort langfristig von der Kreativkultur erschlossen wird. Einzelne Hallen werden jetzt schon dafür benutzt", so Wellmann.

Weiteres Beispiel: Gängeviertel

Auch bei der Reaktivierung des Hamburger Gängeviertels war das Referat maßgeblich beteiligt und vermittelte zwischen den verschiedenen Parteien. Nachdem das Viertel jahrelang brach lag, wird dessen Renovierung nun mit 20 Millionen Euro an öffentlichen Geldern subventioniert. "Wir haben versucht das Areal zu sichern, damit es auch wirklich in den Händen der heutigen Bewohner bleibt", erklärt Wellmann.

Gerade die Immobilienvermittlung spiele bei der Arbeit der Kreativwirtschaft eine wichtige Rolle, sagt die Hamburger Referatsleiterin: "In der Kreativbranche haben sich die Wohnverhältnisse längst geändert. Den vielen Selbständigen fehlen die finanziellen Mittel für ein eigenes Büro, daher wird der Wohnraum meist auch als Arbeitsraum genutzt.“

Ähnliches Konzept für Wien

In Wien existiert mit der Kreativagentur departure ein ähnliches Projekt, das sich schon seit 2003 für die kreative Szene einsetzt. Unabhängig davon wurde die Tagung "Kreativquartiere – Neue Strategien für die Cultural & Creative Industries" zum Anlass genommen, weitere Möglichkeiten zur Unterstützung der Kreativkultur zu diskutieren.

"Denn kreative Kultur setzt wichtige Impulse für die Wirtschaft und die Stadtentwicklung“, betont Elisabeth Hakel, SPÖ-Sprecherin für "Creative Industries". Nun sei es wichtig, zusammen mit der kreativen Community weitere Maßnahmen zur Förderung dieser Kultur zu erarbeiten. Ganz nach Hamburger Vorbild sollen diese Maßnahmen jedoch nicht von oben "sondern zusammen von den Kreativen und mit den Kreativen" geschaffen werden, so Hakel. (Elisabeth Schmidbauer, 9.4.2013, derStandard.at)

  • Das Areal der Hamburger Hafencity soll langfristig von der kreativen Community erschlossen werden.
    foto: apa/thomas rieder

    Das Areal der Hamburger Hafencity soll langfristig von der kreativen Community erschlossen werden.

  • Inga Wellmann (r.), Leiterin des Hamburger Referats für Kreativwirtschaft, und Elisabeth Hakel (l.), SPÖ-Sprecherin der Creative Industries, sprachen über Wege zur Förderung der kreativen Wirtschaft.
    foto: derstandard.at

    Inga Wellmann (r.), Leiterin des Hamburger Referats für Kreativwirtschaft, und Elisabeth Hakel (l.), SPÖ-Sprecherin der Creative Industries, sprachen über Wege zur Förderung der kreativen Wirtschaft.

  • Vertreter der Politik und der kreativen Wirtschaft diskutierten bei der Tagung "Kreativquartiere – Neue Strategien für die Cultural & Creative Industries" über mögliche Fördermaßnahmen für die kreative Kultur.
    foto: derstandard.at

    Vertreter der Politik und der kreativen Wirtschaft diskutierten bei der Tagung "Kreativquartiere – Neue Strategien für die Cultural & Creative Industries" über mögliche Fördermaßnahmen für die kreative Kultur.

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