Ein Forscher, der für die Arktis brennt

Kopf des Tages8. April 2013, 19:03
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Andreas Richter leitet das neue Polarforschungsinstitut

Andreas Richter hat schon früh Feuer für die Polarregion gefangen. Als Jugendlicher las er Abenteuerromane, die in Sibirien spielten. Die Gegend faszinierte ihn so sehr, dass er beschloss, Biologie zu studieren und die arktischen Pflanzen zu beforschen. 1999 reichte er sein erstes Forschungsprojekt zur Pflanzenwelt der Tundra ein und bereiste die Region erstmals. Als Professor für Physiologie und Ökologie der Pflanzen der Uni Wien seit 2011 beforscht er neben anderen Themen die Auswirkungen des Abschmelzens des arktischen Permafrost-Eises auf die Atmosphäre.

"Die Polargebiete sind enorm wichtig für das globale Klima und die Stoffwechselprozesse", sagt der Ökologe. Zuletzt gezeigt habe sich das an den winterlichen Wetterkapriolen, die nach seiner Einschätzung in den nächsten Jahren noch zunehmen werden. Daher könne die Polarforschung nicht von einigen wenigen Ländern allein betrieben werden. "Es braucht eine internationale Anstrengung", sagt Richter, "es gibt global wichtige Themen, für die wir Verantwortung übernehmen müssen."

Als frisch bestellter Leiter des gestern offiziell gegründeten Österreichischen Polarforschungsinstituts, ein Zusammenschluss von 14 Gruppen, die österreichweit im Bereich der Polarforschung arbeiten, hofft er, seine Begeisterung für die Region nun einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln zu können.

Denn obwohl der Region durch den Klimawandel und wegen reicher Vorkommen an Rohstoffen zunehmend wirtschaftliches wie politisches Interesse zukommt, kommen die Polarforscher in der Öffentlichkeit kaum zu Wort. Das will Richter ändern und Wissenschaftern, die sich "auch wirklich auskennen", Gehör verschaffen.

Wie die meisten österreichischen Polarforscher arbeitet Richter vor allem zur Arktis. Privat interessiert sich der Ökologe nicht nur für die polare Kälte, sondern auch andere Regionen mit "extremem Klima". So führten ihn einige Gastprofessuren nach Australien.

Richter lebt nach Eigendefinition in einer "Wissenschafter-Patchwork-Familie". Seine Frau forscht im Bereich der Systemanalyse. Der 1962 geborene Wiener hat eine Stieftochter im Schulalter und zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe. Wie er die Leitungsposition neben Familie und seiner ohnehin schon 60-Stunden-Arbeitswoche unterbringen will, macht dem Forscher wenig Sorgen, schließlich "geht es um ein Thema, das mir wirklich am Herzen liegt". (Tanja Traxler, DER STANDARD, 9.4.2013)

  • Andreas Richter leitet das neue Polarforschungsinstitut.
    foto: uni wien

    Andreas Richter leitet das neue Polarforschungsinstitut.

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