Restitution: Neue alte Herrschaften in Kroatien

8. April 2013, 19:18
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Etwa 50.000 Hektar Grund wurden in Kroatien an Familien restituiert, die 1945 enteignet wurden

Herr von Pongratz-Lippitt und Baron Adamovich sind ganz zufrieden mit ihrer neuen Heimat. Sie sind im Verband privater Waldbesitzer und hoffen, dass sie mit dem EU-Beitritt nun ihr Holz teurer verkaufen können und weniger abhängig von der staatlichen Forstverwaltung werden. " Es geht langsam, aber in die richtige Richtung", sagt der Steirer Maximilian Pongratz-Lippitt, der die kroatische Staatsbürgerschaft besitzt.

Die beiden Männer gehören zu jenen Adelsfamilien, denen in Kroatien ehemalige Besitztümer restituiert wurden. Die Familie Pongratz-Lippitt hat das Schloss Marusevec in der Nähe von Varazdin, den dazugehörigen Park und 400 Hektar Wald zurückbekommen. All das war in jugoslawischer Zeit in Staatsbesitz. Pongratz-Lippitt hat Verständnis dafür, dass das, was heute in privater Hand ist, nicht restituiert wird. Die Familie hatte ohnehin das Glück, dass sich der Urgroßvater in der Zwischenkriegszeit zum Königreich Jugoslawien bekannte. Denn Voraussetzung für Entschädigung ist, dass der Eigentümer bei der Konfiszierung oder Nationalisierung 1945 oder 1946 "kroatischer Staatsbürger" war.

Geduld und langer Atem

Im Fall der Familie Adamovich bzw. Pejacsevich - auch der ehemalige österreichische Verfassungsgerichtspräsident gehört zu dieser - wurden einige tausend Hektar Wald rund um Nasice zurückgegeben. Nikola Adamovich, der in Kroatien die Commerzbank repräsentiert, meint zum Standard: "Wer viel Geduld und ausreichend langen Atem hatte, konnte auf dem langen Weg durch die Instanzen ohne unredliche Beschleunigungsversuche zu seinem Recht kommen. So gesehen ist Kroatien ein Rechtsstaat - mit unzumutbar langer Verfahrensdauer allerdings."

Georg Eltz, "Grof" Vukovarski, wie man ihn hier nennt, Miteigentümer der Tourismusgruppe Valamar und Onkel des deutschen Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, ist weniger angetan. Er hat das Schloss, das nach der Zerstörung 1991 von der Stadt Vukovar restauriert wurde, nicht zurückbekommen.

50.000 Hektar restituiert

Insgesamt wurden in Kroatien etwa 50.000 Hektar restituiert, schätzt der Zagreber Anwalt Branimir Ivekovic. "Etwa zehn bis 20 Familien haben etwas zurückbekommen, die meisten Wälder", erzählt er. Besitztümer, die nicht in natura zurückgegeben werden konnten, wurden mit höchstens 500. 000 Euro kompensiert. "Das Gesetz war so, dass sich die Restitutionen in Grenzen hielten", so Ivekovic. Auch Österreicher konnten Anträge stellen. Anspruchsberechtigt war allerdings nur, wer nicht bereits durch das 11. Staatsvertragsdurchführungsgesetz 1962 oder durch das Jugoslawien-Entschädigungsgesetz 1980 kompensiert wurde. Zudem muss eine direkte Verwandtschaftslinie vorliegen. In Kroatien konnte man bis 1997, in Slowenien bis 1993 Anträge stellen. In Serbien gibt es seit kurzem ein Restitutionsgesetz, die Antragsfrist läuft im März 2014 aus.

Die Restitutionsfrage ist heikel, rührt sie doch an die Wunden der Geschichte und an fundamentale Fragen von Gerechtigkeit. So gibt es etwa noch kein Gesetz zur Restitution von jüdischem Vermögen in Kroatien. Die Rückgabe an adelige Familien war zudem ein Politikum. Die Regierung werde Grafen und Barone kompensieren, die seit Jahrzehnten in Österreich leben, befürchteten kroatische Zeitungen vor einiger Zeit die Wiederkehr feudaler Verhältnisse.

Besuche des österreichischen Außenministeriums

Tatsächlich waren in Slawonien die großen Landwirtschaften in den Händen weniger aristokratischer Familien. Denn nachdem das fruchtbare Land im 17. Jahrhundert von den Osmanen zurückerobert wurde, wurden jene Familien vom Hof in Wien belohnt, die den Krieg mitfinanziert hatten: Adelige. Auch nach der Landreform 1925 blieben ihnen große Besitztümer.

In den vergangenen Jahren setzte sich das österreichische Außenministerium, in dem die Dichte an Mitgliedern ehemaliger aristokratischer Familien bekanntermaßen hoch ist, für die Restitution in Kroatien ein. Es verging kaum ein Politikerbesuch, bei dem das Thema nicht angeschnitten wurde. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 9.4.2013)

  • Das große Schloss Nasice der Grafen Pejacsevich auf einer Postkarte aus dem Jahr 1927.
    foto: mladen und bojana scitaroci, drago majer, hedviga crha

    Das große Schloss Nasice der Grafen Pejacsevich auf einer Postkarte aus dem Jahr 1927.

  • Der Rauchsalon im Schloss.
    foto: mladen und bojana scitaroci, drago majer, hedviga crha

    Der Rauchsalon im Schloss.

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