Poetische Akte mit schwarzer Köchin

8. April 2013, 18:43
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H. C. Artmann auf der Bühne und vom Podium aus gesehen: Das Kabinetttheater begleitet eine Konferenz mit Minidramen

Wien - Eine zweitägige Konferenz zum Wiener Schriftsteller H. C. Artmann (1921- 2000) feiert die von ihm vor sechzig Jahren ausgerufe- ne acht-punkte-proklamation des poetischen actes. Diese besagt zusammengefasst, dass selbst jener ein Dichter sein könne, der noch nie ein Wort geschrieben hat. Erinnerungwürdig ist auch Punkt sieben: "der poetische act ist die pose in ihrer edelsten form, frei von jeder eitelkeit und voll heiterer demut".

Das international besetzte Podium in der Wienbibliothek im Rathaus lässt am Donnerstag und Freitag Artmanns poetisches Schaffen in einer dem Dichter entsprechenden Kurzweile hochleben: Jacques Lajarrige nimmt gleich zu Beginn (Do, 9 Uhr) eine alphabetische Weltordnung der Gedichte vor - "Von Aranjuez bis Zielort", Alexandra Millner gibt einen Überblick über Artmanns Manifeste, Klaus Kastberger kümmert sich um den Kontext der Wiener Gruppe, Paul Pechmann um jene aus Graz.

Auf die Themen Romantik (Clemens Dirmhirn), Kinderliteratur (Danae Pifeas), Pop-Literatur (Thomas Antonic und Hans Ch. Buch) sowie Artmanns Übersetzungsarbeit (Peter Waterhouse, Maria Leonhardmair und Renée Von Paschen) folgt am Freitag ein Kurzfilm von Peter K. Wehrli (Zürich). Daniela Strigl führt Artmann mit dem Lyriker René Altmann zusammen, und Marcel Atze stellt Bücher aus dem Nachlass Artmanns vor.

Wem die anschließenden Lesungen mit Rosa Pock-Artmann u. a. zu wenig performativ sind, der wechsle ins Kabinetttheater über, das eigens als Begleitung zur Konferenz eine Minidramenserie der Wiener Gruppe anberaumt hat.

Unter dem Titel Der Mond täuscht einen Abend vor stehen sieben Kurzstücke von Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und neuerdings auch Friedrich Achleitner (Kleiner Text, 2007) auf dem Programm. PS: Franz Josef Czernin erhält den H.-C.-Artmann-Preis 2013. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 9.4.2013)

Wien Bibliothek, 11./12.4., jew. ab 9.00; Kabinetttheater, Vorstellungen bis 16. 4.

  • "Der Mond täuscht einen Abend vor": Das Kabinetttheater versammelt für die Minidramen der Wiener Gruppe das schönste Figurenpanoptikum.
    foto: martin hesz

    "Der Mond täuscht einen Abend vor": Das Kabinetttheater versammelt für die Minidramen der Wiener Gruppe das schönste Figurenpanoptikum.

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