Korbjagd auf die Krone

Analyse9. April 2013, 21:14
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Die Basketball-Bundesliga biegt in die Zielgerade ein. Klosterneuburg hat beachtliche Chancen, den Titel zu verteidigen. Die Konkurrenz ist aber nicht übel. Ein Ausblick auf die Playoffs

Wien - Zum 66. Mal sucht Österreichs Basketball seinen Meister und ein glasklarer Favorit ist wie bereits in den vergangenen Jahren nicht auszumachen. Einen Gewinner dieser Saison gibt es aber bereits, bevor der Meisterpokal noch ausgehändigt wurde: Den BC Vienna. Nicht nur für das 20 Jahre lang darbende basketballaffine Publikum Wiens ist die Tatsache erfreulich, dass der Klub aus der Bundeshauptstadt sich aus der Versenkung erhoben hat und wieder ein Fixpunkt auf der Landkarte der braunen Lederkugel ist.

Die Wiener führten die Tabelle fast die gesamte Saison an, erst am letzten Spieltag vor den Playoffs schnappten ihnen die Dukes aus Klosterneuburg Platz 1 weg. Das ist nicht unerheblich, haben die Niederösterreicher doch nun Heimvorteil in allen Best-of-five-Serien bis zu einem etwaigen Finale.

Die Playoffs unter dem Brennglas: Das Viertelfinale

Klosterneuburg Dukes (Platz 1) vs. Fürstenfeld Panthers ( Platz 8)

Der Titelverteidiger (und Rekordmeister) präsentierte sich heuer über weite Strecken solid, mit sieben Siegen aus den letzten zehn Partien zeigt die Formkurve eindeutig nach oben. Und das obwohl das Team so gut wie nie komplett auflaufen konnte. Besonders der zuletzt zwei Jahre hintereinander zum besten Österreicher der Liga gewählte Christoph Nagler fiel lange aus und arbeitet sich nun erst langsam wieder an eine Form heran. Dazu fehlte bis zuletzt noch Jason Chappell, ein emsiger Arbeiter unter den Brettern und ein Spielertyp den jeder Coach gerne in seiner Mannschaft hat: ohne vorlautes Gehabe lässt er sein Spiel für sich sprechen. Fürstenfeld hingegen ist längst kein Basketball-Land mehr, wo Milch und Honig fließen. 2010 butterte BZÖ-Finanzreferent Harald Fischl noch beträchtliche Summen in eine starke Truppe (inkl. einem Ex-NBA-Spieler namens Desmond Penigar), nach einem überraschend verlorenen Finale wurde der Geldhahn aber schnell zugedreht. Fürstenfelds Kader ist mittlerweile Durchschnitt und es dürfte auch gewaltig rumoren innerhalb der Organisation nachdem kurz vor Playoff-Beginn Guard Lorenzo O’Neal gehen musste.

Ausblick: Die Dukes werden mit den Panthers, die keine Bank haben, kurzen Prozess machen und klar ins Halbfinale einziehen.

BC Vienna (2) vs. WBC Wels (7)

Für Wiens Basketballer kann es nach einem ausgezeichneten Grunddurchgang nur um den Titel gehen. Die Firepower ist vorhanden, den Kader spicken erfahrene US-Legionäre, die bereits Meistererfahrung in Österreich haben (nicht unerheblich) und mit dem Italiener Andrea Maghelli wurde auch ein Taktikfuchs auf die Trainerbank geholt. Im Überraschungs-Ei ist und bleibt aber Österreichs lange Zeit bester Basketballspieler Stjepan Stazic enthalten. Der knapp zwei Meter große Shooter hat mit seinem mächtigen Ego sowohl das Potenzial, Spiele im Alleingang zu entschieden als auch die eigene Mannschaft zu sprengen. Auftaktgegner Wels könnte den Wienern mit einer sehr guten Starting Lineup schon gefährlich werden, ohne qualitativ hochwertige Verschnaufpausen von der Bank wird für die Oberösterreicher aber letztendlich Ende im Gelände sein.

Ausblick: Der BC Vienna ist auf den Positionen 6,7 und 8 (bezogen auf 12 Spieler im Kader) tiefer besetzt und deswegen ziehen die Wiener verdient ins Halbfinale ein.

Kapfenberg Bulls (3) vs. Güssing Knights (6)

Die Obersteirer sind ganz sicher das unberechenbarste Team der heurigen Playoffs. An einem Abend gibt es Schlafwagenbasketball, an einem anderen wird virtuos inszeniert. Nur eine Sache bleibt immer gleich: Streng komponiert sind die Werke der Kapfenberger immer, in einem strikten taktischen System werden freigeistige Ausritte der Spieler nicht geduldet. Das kann man totale Spielkontrolle nennen, oder auch einfach nur langweilig. Die Bulls starten jedenfalls in die 18. Play-Off-Phase hintereinander - und sind damit Rekordhalter in der Basketball-Bundesliga. Die Knights haben zuletzt vier Spiele in Folge verloren - auch im direkten Gegenüber mit Kapfenberg haben die Burgenländer diese Saison das Nachsehen: Drei von vier Spielen konnten die Bulls gewinnen. Güssing hat einige ehrgeizige Österreicher im Team, die die Legionäre des Gegners schon gewaltig ärgern können. Mit Thomas Klepeisz und Sebastian Koch übernehmen auch zwei aktuelle Nationalteamspieler viel Verantwortung. Güssing verteidigt sehr intensiv, ist aber gerade in der Offense dem Gegner körperlich meist unterlegen (auch größenmäßig).

Ausblick: Für Güssing ist die zweite Playoff-Teilnahme der Vereinsgeschichte ein weiterer Erfolg, in einer Serie können sie aber Kapfenberg nicht überwinden.

Oberwart Gunners (4) vs. Gmunden Swans (5)

Die stolzen Schwäne aus Gmunden haben schon bessere Zeiten erlebt. Vier Meistertitel gab es in den vergangenen sieben Jahren, wobei die Oberösterreicher nur einmal in dieser Periode nicht im Finale standen. Das ist bärenstark. Und nun wartet gleich das härteste Duell aller Viertelfinali gegen Oberwart. Die Gunners waren zu Saisonbeginn nirgends, nach vierzehn Spieltagen lagen die Burgenländer nur auf Rang neun, nach 17 Runden hatte man erst sechs Siege auf dem Konto. Es folgte Aktion scharf: Die Legionäre wurden zu diesem Zeitpunkt im Dezember allesamt vor die Tür gesetzt, ein neues Trio verpflichtet. Und das Geld wurde nicht einmal umsonst verbrannt, seit Weihnachten sind die Gunners das beste Team der Liga. Mit Seamus Boxley wurde eine scharfe Granate aus Holland geholt, 2,02 Meter groß und bei über 100 Kilogramm trotzdem flink wie ein Windhund. Die Amerikaner im Team können sich überhaupt sehen lassen: Wäre Point Guard Darnell Hinson ein Hund, dann am ehesten ein Pitbull - in der Verteidigung taucht außerdem mit Richard Chaney ein Spieler mit einer Flügelspannweite von einem Urzeit-Riesenvogel auf. Gmunden setzt auf altbewährtes Personal, hat aber bei den Legionären auch gut zugegriffen (Arnold, Brown).

Ausblick: Den Ausgang dieser Serie vorherzusagen, ist so einfach wie das derzeitige Wetter zu prognostizieren. Zwei extrem physisch agierende Teams treffen einander auf Augenhöhe. Gmunden gewinnt hauchdünn in einem entscheidenden letzten Spiel.

Wie es weiter geht

Im Semifinale wird es dann wohl körperlich noch ordentlicher gewittern, wenn (voraussichtlich) die Dukes auf den Sieger Gmunden/Oberwart treffen. Der BC Vienna könnte es mit grobkörnigen Kapfenbergern zu tun bekommen. Spiele auf gehobenem Niveau sind auf jeden Fall drin - wer über Österreichs Basketball ablästert, war wohl schon seit Anfang der Nullerjahre nicht mehr live vor Ort. Die Hallen stehen natürlich sinnbildlich für die gesamtösterreichische Sportmisere in der Gegend herum, das Geschehen auf dem Parkett ist aber durchaus intensiv – so gesehen zuletzt an einem polternden Basketballabend zwischen den Dukes und Oberwart. Und ja: Die Zeit der großen Seriensieger dürfte wohl vorbei sein. (Florian Vetter, derStandard.at, 9.4.2013)

  • Zu einem knackigen Duell zwischen den Dukes aus Klosterneuburg und Gmunden könnte es heuer bereits im Semifinale kommen.
    foto: apa/pfarrhofer

    Zu einem knackigen Duell zwischen den Dukes aus Klosterneuburg und Gmunden könnte es heuer bereits im Semifinale kommen.

  • Das Playoff-Bracket: Gespielt wird vom Viertelfinale bis zum Finale immer in einer Best-of-5-Serie.
    grafik: oebl.at

    Das Playoff-Bracket: Gespielt wird vom Viertelfinale bis zum Finale immer in einer Best-of-5-Serie.

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