Libanese mit markanter Glatze und ohne Feinde

Kopf des Tages7. April 2013, 19:35
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Er ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die zerstrittenen politischen Lager im Libanon einigen konnten, aber in diesen Zeiten ist das eine besondere Qualifikation: Tammam Salam (67), den Präsident Michel Sleiman am Samstag mit der Regierungsbildung beauftragte, gilt als "neutral". Bei einer Abstimmung im Parlament in Beirut kam er auf 124 von 128 Stimmen.

Das Amt ist ihm eher unerwartet zugefallen: Sein Vorgänger Najib Mikati war als Chef eines von der Hisbollah gestützten Kabinetts zurückgetreten - wollte jedoch selbst eine Konsensregierung auf breiter Basis bilden, die das durch den Syrien-Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogene ehemalige Bürgerkriegsland dringend braucht. Das war auch der Wunsch Saudi-Arabiens, das nach einer kurzen Enthaltung wieder kräftig im Libanon mitmischt. Aber der Chef der sunnitischen Opposition, Saad al-Hariri, der für dieses Projekt ja an Bord geholt werden musste, legte ein Veto gegen Mikati ein. Mikati war ein Hariri-Mann, bevor er mit der Hisbollah kooperierte.

Es sollen die saudischen Vermittler gewesen sein, die daraufhin den markanten Glatzkopf Tammam Salam vorschlugen: Und gegen ihn hatte niemand große Einwände, auch der unberechenbare Drusenführer Walid Jumblat - der wie andere libanesische Politiker zu Gesprächen nach Riad geholt wurde - nicht.

Tammam Salam ist Sunnit: Der libanesische Premier muss es ja sein. Aber 1992 boykottierte er aus Solidarität mit den damals antisyrischen Christen die Parlamentswahlen. Dennoch sind keine flammenden antisyrischen Statements von ihm bekannt. Ebenso hat er die Waffen der schiitischen Hisbollah zwar kritisiert, diese aber genauso für ihren " Widerstand gegen Israel" gelobt.

Salam, der mit seiner Frau Lama Badreddine drei Kinder hat, war nach einem Studium in London Geschäftsmann, Chef der karitativen islamischen Mekassed-Stiftung, Parlamentarier und Kulturminister. Premier wird er zum ersten Mal. Sein Vater, Saeb, hatte den Posten zwischen 1952 und 1973 insgesamt sechsmal inne, während des Bürgerkriegs ging er nach zwei Attentatsversuchen bis 1994 nach Genf ins Exil.

Auch Großvater Salam war bereits unter den Osmanen und in der französischen Mandatszeit Politiker. Von seiner Mutter, einer Syrerin, holte sich der neue Premier nach seiner Ernennung den Segen. Im Fernsehen war zu sehen, wie Tammam Salam ihr die Hand küsst. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 8.4.2013)

  • Tammam Salam ist designierter Premier des Libanon.
    foto: ap/ammar

    Tammam Salam ist designierter Premier des Libanon.

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