Voll in die Fresse

Ansichtssache7. April 2013, 17:27
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Wenn einem die Regeln nicht passen, erpresst man den, der sie gemacht hat

Kulturelle Unterschiede führen oft zu Missverständnissen. So etwa, wenn das Gesetz der New Yorker Straße auf skandinavischen Wohlfahrtsstaat trifft: Ein "klärendes Gespräch für eine effektivere Waffe gegen unsoziales Verhalten" will die norwegische Lehrerin führen. Fäustling mit Steinen füllen und voll in die Fresse damit, rät Ex-Mafioso Frank Tagliano (Steven Van Zandt) dem von den Mitschülern getriezten Buben.

foto: tnt

In der US-Serie "Lilyhammer" (sonntags ab 22 Uhr auf TNT Serie im Angebot des Abosenders Sky oder auf DVD) kommt der New Yorker Ex-Verbrecher dank Zeugenschutzprogramm nach Lillehammer - und passt sich den dortigen sozialen Codes nur bedingt an.

Wenn ein Halbstarker im Zug einen älteren Herrn anpöbelt oder ein eifernder Muslim einer Frau nicht die Hand schütteln will, weiß Frank, was zu tun ist: Er lauert den Übeltätern auf dem Abort auf und haut sie. Die Probleme der Einheimischen wie auch die eigenen löst er mit Erpressung und Waffengewalt. Bewährtes Motto: "Sie brechen einen Finger, ich breche einen Arm."

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foto: netfix

Das ist - nicht zuletzt, weil Van Zandt grandios den grummeligen Haudegen gibt - lustig anzuschauen. Als eine Art Robin Hood setzt er seine Mafia-Skills auch meistens für die Armen und Schwachen, Frauen und Kinder ein. Daneben aber bedient er einen weitverbreiteten Reflex gegen das, was gerne als Gutmenschentum bezeichnet wird. Wenn der böse Wolf das Schaf beißt, dann schießt man ihn eben tot und versenkt die Leiche. Wenn einem die Regeln nicht passen, erpresst man den, der sie gemacht hat. So etwas bezeichnet man als Demokratiemüdigkeit. Oder, wie Frank sagt: "Das ganze Gerede - das bringt doch nichts." (Andrea Heinz, DER STANDARD, 8.4.2013)

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