Die Lösung für Photovoltaik-Förderung

6. April 2013, 14:23
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Der Ansturm am 1. Jänner ist Irrsinn, das Los ist es auch. Eine Auktion würde der Umwelt am meisten bringen

Die Art und Weise, wie in Österreich die Förderungen für Photovoltaik-Anlagen verteilt werden, ist bekanntlich ein Schildbürgerstreich. Wie mehrfach berichtet, waren die acht Millionen Euro an Förderungen gleich nach 00.00 Uhr am 1. Jänner aufgebraucht – und der Server völlig überlastet. Weil viele mit Computerprogrammen hunderte Anträge gleichzeitig stellten, will die Förderstelle OeMAG im kommenden Jahr das Los entscheiden lassen – ein Vorschlag, der von allen Seiten belächelt und verurteilt wird. Umweltförderung dürfe kein Glücksspiel sein, sagen Umweltexperten und Grüne.

Tatsächlich sind beide Modelle – das „Wer zuerst, mahlt zuerst“ und die Lotterie – verunglückt und unsinnig. Aber die bessere Lösung wird manchen Umweltschützern wohl auch nicht gefallen.

Das Problem ist, dass die Nachfrage nach Fördermittel das Angebot übersteigt. Das liegt daran, dass die Förderung pro Anlage einfach zu hoch ist. Die Hilfe dient ja nicht dazu, Gelder unter Bedürftigen zu verteilen, sondern Menschen dazu zu verleiten, Solaranlagen im eigenen Heim zu errichten, um so den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen.

Bei so großer Nachfrage könnte man natürlich die Fördersumme erhöhen, aber das will die Regierung nicht – und das ist auch nicht notwendig. Ziel müsste sein, die verfügbaren Mittel (angeblich 18 Millionen Euro für 2014) so zu verteilen, dass die größtmögliche Zahl von Anlagen errichtet wird.

Dafür müsste man wissen, wie gering der Förderbetrag sein darf, damit immer noch genügend Menschen bereit sind, für eine Photovoltaik-Anlage zu bezahlen. Ein gewisser Mitnahmeeffekt – dass Leute Förderungen einstreichen, die auch sonst gebaut hätten – lässt sich nicht vermeiden. Aber zumindest soll der Betrag nicht höher sein als unbedingt notwendig.

Wenn die Regierung die Förderung pro Anlage einfach verringert, besteht die Gefahr, dass das Interesse versiegt, zu wenig Anlagen errichtet werden und zu viele Gelder liegen bleiben. Eine spätere Nachbesserung wäre entweder unfair oder, wenn bei früheren Ausschüttungen nachgezahlt werden muss, ein großer bürokratischer Aufwand. Also was tun?

Die Lösung ist eine Auktion, bei der jeder Antragsteller den Betrag nennt, mit dem er oder sie sich zufrieden stellen würde. Mit einem einfachen Computerprogramm könnte dann von unten her die Anträge gesammelt werden – die niedrigsten zuerst, dann die zweitniedrigsten, etc.

An dem Punkt, an dem die die Zahl der Anträge multipliziert mit dem höchst genannten Betrag die verfügbare Fördersumme ausschöpfen, wird der Förderhahn geschlossen. Jeder erhält dann den höchsten Betrag; der aber wäre immer noch niedriger als die Förderungen, die im bisherigen System verteilt wurden.

Jeder Antragsteller hätte ein Interesse, einen eher niedrigen Betrag anzugeben, damit er doch zum Zug kommen kann. Das hilft die Kosten zu drücken. Wenn am Ende manche zurückziehen, weil es doch zu wenig Geld war (und sie ihre Präferenz falsch dargestellt haben), kann man die Restsumme in einer zweiten Runde ausschütten. Wenn es niemand will, bleibt das Geld übrig für das kommende Jahr.

So werden viele andere Auktionen gestaltet, etwa die Offenmarkt-Tender der Notenbanken. Auf diese Weise erfährt die Behörde die tatsächliche Präferenz der Antragsteller und kann den  korrekten Preis bilden, sie vermeidet Über- wie auch Unterförderung. Die letztjährigen Wirtschaftsnobelpreise wurde an zwei Ökonomen, Lloyd Shapley und Alvin Roth, verliehen, die sich mit genau solchen Fragen beschäftigen.

Es wäre also nicht zu viel verlangt, wenn der Vorstand der OeMAG, Magnus Brunner, an der WU oder einer Fakultät für Volkswirtschaft anruft und sich eine entsprechende Expertise holt.  Ein wenig Intelligenz ist bei öffentlichen Förderungen mit Steuergeldern sicher nicht fehl am Platz.

  • Eine Solaranlage in Nicaragua.
    foto: reuters/oswaldo rivas

    Eine Solaranlage in Nicaragua.

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