Genvariante macht gegen Borreliose immun

7. April 2013, 20:19
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Schweizer Forscher blicken auf einen Abschnitt evolutionären Wettrüstens: Mäuse erarbeiten sich allmählich einen Vorteil gegenüber Borrelien

Zürich - Noch häufiger als die bekannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird bei Zeckenbissen Borreliose, eine bakterielle Infektion, übertragen. Der eigentliche Wirt dieser Borrelien, von denen es verschiedene Spezies gibt, sind wildlebende Mäuse. Doch nicht alle Mäuse, die mit Borrelien in Berührung kommen, erkranken an Borreliose. Tiere mit einer bestimmten Genvariante sind immun gegen die Bakterien, wie die Universität Zürich berichtet.

Günstige Genvariante

Wissenschafter der Universitäten Zürich und Lund führten unter der Leitung der Evolutionsbiologin Barbara Tschirren eine groß angelegte Feldstudie durch, für die sie wildlebende Mäuse auf eine Infektion mit Borrelien untersuchten. Die untersuchte Borrelien-Art Borrelia afzelii ernährt sich aus dem Mäuseblut. Die Forscher stellten fest, dass Mäuse, die eine bestimmte Variante des Antigen-Rezeptors TLR2 aufweisen, rund dreimal weniger anfällig auf Borrelien waren.

Tschirren: "Das Immunsystem von Mäusen mit dieser Rezeptorvariante erkennt den Erreger besser und kann schneller eine Immunantwort geben, um die Borrelien frühzeitig zu vernichten." Infizierte Mäuse haben unter Laborbedingungen ähnliche Krankheitssymptome wie Menschen – insbesondere Gelenkbeschwerden. In der freien Natur überleben infizierte Mäuse daher vermutlich nicht lange, geschwächte Tiere fallen innerhalb kurzer Zeit Füchsen und Raubvögeln zum Opfer.

Wettrüsten

Die schützende Genvariante ist vorteilhaft für ihre Träger und setzt sich gemäß den Forschern langsam in der Mäusepopulation durch. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass eines Tages sämtliche Mäuse gegen Borrelien resistent sein werden. "Die zunehmende Resistenz beim Wirt wird auf jeden Fall zu Anpassungen bei den Borrelien führen", prognostiziert Tschirren, "durch das Hochrüsten zwischen den Mäusen und dem Erreger können wir die evolutionäre Anpassung beobachten."

Auch Menschen haben den Antigen-Rezeptor TLR2, doch die bei den Mäusen beobachtete resistente Genvariante kommt nicht vor. Ob das evolutionäre Wettrüsten zwischen Mäusen und Borrelien für Menschen Konsequenzen haben wird, ist ungewiss. Gemäß Tschirren muss das Bakterium für den Menschen nicht zwingend aggressiver werden. (red, derStandard.at, 7. 4. 2013)

 

  • Zecken saugen sich bevorzugt an den Ohren von Mäusen fest. Über den Speichel von befallenen Zecken gelangen Borrelien ins Blut der Mäuse.
    foto: universität zürich

    Zecken saugen sich bevorzugt an den Ohren von Mäusen fest. Über den Speichel von befallenen Zecken gelangen Borrelien ins Blut der Mäuse.

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