Ein Rosettastein der Klimageschichte

5. April 2013, 18:26
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Der peruanische Quelccaya-Gletscher liefert mit seinen ungewöhnlichen "Jahresringen" Daten über die vergangenen 1.800 Jahre

Lima/Wien - Es ist das größte tropische Eisfeld der Welt. Mit über 40 Quadratkilometern Ausdehnung bildet der auf knapp 5500 Metern Seehöhe gelegene Quelccaya-Gletscher in den Anden Perus zudem auch einen Trinkwasserspeicher für die Hauptstadt Lima.

US-Klimatologen um Lonnie Thompson (Ohio State University) beobachten den Gletscher seit mehr als zwei Jahrzehnten und vermelden nun im Wissenschaftsmagazin "Science" einen historischen und besonders rapiden Rückgang der Eismassen. Die Forscher hatten Pflanzenreste untersucht, die 2011 durch den Eisrückgang zum Vorschein gekommen waren - und sich als 6.000 Jahre alt herausstellten.

Doch das war nicht die einzige Entdeckung, über die Thompson gemeinsam mit seiner Frau Ellen Mosley-Thompson in Science berichtet. Das Klimatologenpaar hatte aus diesem Eisarchiv bereits 2003 Bohrkerne gefördert, die laut neuen Analysen die tropische Klimageschichte der letzten 1.800 Jahre in beispielloser Genauigkeit dokumentieren.

Die Eisbohrkerne sind durch jährliche helle und dunkle Abschnitte charakterisiert, die durch den Wechsel von Regen- und Trockenzeit entstanden. So wie der Rosettastein bei der Entzifferung der Hieroglyphen half, kann mit diesen Proben die Klimageschichte seit dem Jahr 200 detailgenau rekonstruiert werden. (tasch/DER STANDARD, 6./7. 4. 2013)

  • Die "Jahresringe" am Quelccaya-Gletscher in Peru, aufgenommen im Jahr 1978. Darunter ein Bild von 2011.
    foto: lonnie thompson, courtesy of ohio state university

    Die "Jahresringe" am Quelccaya-Gletscher in Peru, aufgenommen im Jahr 1978. Darunter ein Bild von 2011.

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    foto: lonnie thompson, courtesy of ohio state university
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