Entwicklungshilfe und Fairtrade in Arusha

Blog9. April 2013, 08:12
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Bloggerin Victoria Lainer besucht die Frauen in den Dörfern rund um Arusha, die jetzt holzsparender kochen, und einen Fairtrade-Blumenpoduzenten

Nach den Tagen in den Nationalparks bleiben wir noch ein paar Tage in Arusha, weil es in der Umgebung von Arusha viele Entwicklungs- und Hilfsprojekte gibt und wir einige davon besuchen wollen. Leo, der Volontär aus Australien, bleibt nach der offiziellen Bekanntgabe der Wahlergebnisse in Kenia auch noch ein paar Tage, um die Entwicklung der Sicherheitslage in Kibera/Nairobi abzuwarten.

Kommunikationsprobleme und Beginn der Regenzeit

Vor meiner Reise habe ich mit Hilfe von Freunden, die bereits längere Zeit in Tansania verbracht haben, und durch die Kontaktaufnahme mit entwicklungspolitischen Organisationen eine kleine Liste von Projekten zusammen. Aus verschiedenen Gründen werden es schlussendlich nur zwei Projekte, die wir besuchen können.

Besuch des Projekts WODSTA

Die NGO WODSTA (Women Development for Science and Technology) setzt sich für die Förderung von Frauen in den Dörfern rund um Arusha ein. Sie finanziert sich vor allem durch Projektpartner, dazu zählt auch die Dreikönigsaktion (DKA). Durch WODSTA lernen die Frauen, wie sie mit Hilfe von neuen Technologien - unter anderem mit erneuerbarer und nachhaltiger Energie - Zeit und vor allem Geld sparen können. Das Gesparte kann wiederum für andere Investitionen in ihren kleinen Landwirtschaften oder für die Bildung der Kinder verwendet werden. WODSTA arbeitet immer mit den Frauengruppen vor Ort zusammen und stimmt das Projekt auf die gegebene Situation und die dortigen Probleme ab. (Klingt logisch, ist aber im Alltag der Entwicklungszusammenarbeit leider nicht immer der Fall).

Bei unserem Besuch werden wir in ein Dorf nördlich von Arusha mitgenommen. Gekocht wird traditionell mit Feuerholz, dessen Beschaffung für die Frauen schon immer eine finanzielle und zeitliche Herausforderung war. Aufgrund der Nähe zum Arusha-Nationalpark gelten in dieser Gegend strengere Regeln für das Abholzen von Bäumen. Für den Schutz der Vegetation sind diese Regeln sinnvoll, die Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen wurden aber nicht bedacht. Mit der Unterstützung von WODSTA setzt die Frauengruppe nun zwei alternative holzsparende Kochmöglichkeiten um. Am Tag unseres Besuchs werden in Zusammenarbeit mit einem kleinen örtlichen Laden Kocher mit Pellets-Heizung eingeführt.

Mit den Pellets-Kochern sparen die Frauen nicht nur Geld, sondern verbessern auch ihre Gesundheit, da die Pellets-Kocher bei richtiger Verwendung kaum Rauch ausstoßen. Unsere Frage, ob WODSTA mit der Verbreitung der Kocher und Pellets Profit machen will, verneint Elvis Peter, der Leiter von WODSTA. Er erklärt uns, dass WODSTA ausschließlich eine NGO und NPO (Nichtregierungs- und Non-Profit-Organisation) sei. Auch nach der Verwendung von Solarzellen erkundigen wir uns. Er erklärt uns, dass sie grundsätzlich besser wären, allerdings seien die Anschaffungskosten um ein Vielfaches höher. Darüber hinaus hätten sie bereits schlechte Erfahrungen mit Solarzellen aus China gemacht, die nach ein paar Tagen nicht mehr funktionierten. Deshalb sind sie auch vorsichtig, wenn sie die Leute auf die Möglichkeit der Energiegewinnung durch Solarzellen hinweisen.

Die andere Alternative, die umgesetzt wurde, sind gemauerte Kochstellen. Die Wärme wird zu den Mulden hochgeleitet, die genau die Größe der Töpfe haben und somit dafür sorgen, dass keine Wärme verloren geht. Feuerholz ist weiterhin nötig, aber die Menge, die früher einen Tag lang gereicht hat, reicht dank der neuen Kochherde nun für drei Tage. Gebaut werden die Kochstellen nach einer Einschulung durch WODSTA von den Frauengruppen selbst. Finanzieren können sich die Frauen die Kochstellen vor allem durch Mikrokredite. Die Frauengruppe in diesem Ort produziert auch Bio-Honig und konnte mit Hilfe von WODSTA ein Gütesiegel erhalten, wodurch sie den Honig nicht nur regional verkaufen können, sondern auch nach Italien exportieren.

Fairtrade-Blumenplantage Mount Meru Flowers

Es war mir ein großes Anliegen, zumindest eine Fairtrade-Plantage zu besuchen. Allgemein bin ich vom Fairtrade-Konzept überzeugt und konnte bei einem Praktikum in Wien auch mehr Einblick in die Arbeitsweise gewinnen. Allerdings wuchs dabei auch meine Neugier, eine Produktionsstätte direkt kennenzulernen.

Die Anlage, die ich besuche, besitzt, soweit ich das als Laie beurteilen kann, einen sehr hohen technischen und hygienischen Standard. Eine Mitarbeiterin führt uns in alle Abteilungen. Der Lebensweg der Fairtrade-Rosen, die bei uns in den Supermärkten verkauft werden, beginnt als kleiner Steckling, gefolgt von der Zeit in den Treibhäusern, wo sie ohne Pestizideinsatz wachsen und gedeihen können. Dort verbreiten sie ihren zarten Duft und ihre leuchtenden Farben, bis sie schließlich geerntet werden. In Sträußen abgepackt werden sie in Kühllagern auf die Reise nach Europa vorbereitet.

Verkauft wird direkt an einen Blumengroßhändler, der die Supermärkte mit Fairtrade-Blumen versorgt. Sehr geduldig und freundlich werden uns alle Fragen beantwortet, zuerst von der Mitarbeiterin, dann von der Verantwortlichen für Fairtrade bei Mount Meru und schlussendlich auch von Herrn Tretter, dem Geschäftsführer. Vor allem die beiden Letzteren sind zwar überzeugt vom Fairtrade-System und streichen die positiven Auswirkungen auf die Familien der MitarbeiterInnen und die Region hervor, allerdings erwähnen sie auch die Grenzen des Systems.

Ihrer Meinung nach ist es zu bürokratisch und unflexibel in Bezug auf die unterschiedlichen Arbeitsrealitäten in den verschiedenen Regionen. Zum Beispiel ist die Sozialprämie darauf ausgerichtet, in ein Projekt in der Gemeinde der ArbeiterInnen investiert zu werden, was grundsätzlich gut ist und Sinn macht. Im Fall von Mount Meru wohnen die ArbeiterInnen aber in unterschiedlichen Gemeinden, wodurch die Finanzierung von einem Projekt Ungerechtigkeit schürt. Andererseits würden Finanzierungen in allen Gemeinden den finanziellen Rahmen mehrmals sprengen. Trotzdem muss Fairtrade einen Weg finden, die Glaubwürdigkeit des Siegels international zu garantieren. Der Besuch der Mount-Meru-Plantage hat jedenfalls meinen Glauben an die Wirksamkeit von Fairtrade verstärkt.

Anschließend verlassen wir endlich Arusha. Mit dem Bus geht es vorbei am Kilimandscharo, der sich zum Abschied in der Morgensonne doch noch blicken lässt, und auf in Richtung Süden nach Daressalaam. Die Küstenstadt heiß uns mit einer deftigen Hitze-Watschen im humid-tropischen Klima herzlich willkommen. (Victoria Lainer, derStandard.at, 8.4.2013)

-> Fotos von Victoria Lainers Besuchen gibt es in einer Ansichtssache.

  • Der Kilimandscharo im Morgenlicht.
Weitere Fotos von Victoria Lainers Besuchen gibt es in einer Ansichtssache.
    foto: victoria lainer

    Der Kilimandscharo im Morgenlicht.

    Weitere Fotos von Victoria Lainers Besuchen gibt es in einer Ansichtssache.

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