Was Startups vom Silicon Valley lernen können

Blog5. April 2013, 12:25
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Wenn du der Einzige bist, dann gibt's für deine Idee offensichtlich keinen Markt

Silicon Valley, das Technik-Mekka der USA, ist allseits bekannt. Auch in Österreich hat man festgestellt, dass ein Durchbruch im Tal der Technologie und Netzwerke die Tore zu einer neuen Welt öffnet. Entrepreneur sein ist derzeit wirklich "in" und viele Startup-Unternehmen versuchen sich gerade hier zu etablieren. Ich habe jetzt fast ein Jahr im Silicon Valley gelebt, und dabei drei ganz entscheidende Unterschiede zwischen angehenden Gründern in den USA und jenen in Österreich festgestellt.

1. Der Wert einer Idee

In Österreich geht man noch davon aus, dass eine Idee etwas wert ist. Das führt auch dazu, dass wir den Kopf in den Sand stecken, wenn wir herausfinden, dass da schon andere an etwas Ähnlichem arbeiten. Im Silicon Valley sagt man dazu: Wenn du der Einzige bist, dann gibt's für deine Idee offensichtlich keinen Markt. Wenn's andere auch machen, dann ist vielleicht was dran. Wichtig ist, dass man den zukünftigen Kunden einen Grund gibt, das eigene Produkt zu kaufen.

2. "To fail" heißt nicht "versagen"

In den USA, so heißt es, lernen angehende Unternehmer: "fail early and cheap". Wir interpretieren das fälschlicherweise mit "geh gleich am Anfang pleite, dann überlebst du vielleicht den Privatkonkurs". In Wirklichkeit bedeutet das aber, den Kunden möglichst frühzeitig mit einem einfachen Prototyp zu konfrontieren. Da kann ein Stück Karton schon mal ein Laptop sein oder ein Post-it als Fernbedienung herhalten. Warum? Weil wir dann Feedback bekommen und noch keine Investitionen getätigt haben! Tauchen wir nämlich mit einem fertig entwickelten Produkt beim Kunden auf und fragen nach seiner Meinung, dann sind wir bereits emotional an unsere Kreation gebunden. Schließlich sind hunderte oder tausende Stunden investiert worden.

Außerdem ist unser Tester in der unangenehmen Situation, uns nicht enttäuschen zu wollen. Wer sagt schon gern einem Vater, dass sein Kind nicht besonders hübsch ist? Wenn ich bei einem User-Test ein Blatt Papier mit ein paar Kästchen als neue Website verkaufe, dann denkt sich mein Gegenüber: "Der braucht wirklich Hilfe"... und gibt mir ehrliches Feedback. Also: "Fail early and cheap"!

3. Aus Fehlern lernen

Die deutschsprachige Literatur ist eine einzige Erfolgsgeschichte! Welche Lektüre auch immer man zur Hand nimmt, jemand zeigt uns darin auf beeindruckende Weise, wie er oder sie es geschafft hat. Man will uns von Anfang an zeigen, wie man vom Erfolg anderer lernen kann. Die Realität in den USA ist anders: 80 Prozent der Unternehmen, die im Silicon Valley gegründet werden, sind ein Jahr danach nicht mehr am Markt. An die Börse schaffen es sogar nur eine Handvoll. Die Gründer der Unternehmen, die es nicht geschafft haben, verstecken sich aber keinesfalls vor Scham und warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Im Gegenteil! Sie bloggen und twittern über ihren Misserfolg und zeigen so der nächsten Generation von Unternehmern, was NICHT funktioniert hat. Daraus lernt man wesentlich mehr als von Erfolgsgeschichten. (Harald Trautsch, derStandard.at, 5.4. 2013)

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