Römisch-raubritterlich auf dem Jakobsweg

5. April 2013, 16:57
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Rechts der Donau kommt man in der Wachau nun mit Öffi-Unterstützung an vielen Etappen der heimischen Geschichte vorbei

Gute Busverbindungen im Zweistundentakt am südlichen Donauufer in der Wachau ermöglichen nun auch in diesem Bereich reizvolle Streckenwanderungen. Einen besonders hohen Stellenwert genießt dabei die Überschreitung eines Kamms - ausgehend von Mitterarnsdorf über Maria Langegg nach Aggstein -, da man hier ständig mit der Geschichte des Landes konfrontiert ist.

Anfangs wandert man auf einem alten Römerweg, der bis in die Neuzeit genützt worden ist, denn eine durchgehende Straßenverbindung rechts der Donau gibt es erst seit dem 17. Jahrhundert. Damals entstand auch das auf dem Weg liegende Türkentor. Später führt die Route über einen Teil des österreichischen Jakobsweges.

Um Maria Langegg ist es ruhig geworden, während im 18. Jahrhundert noch bis zu 30.000 Pilger pro Saison den sogenannten österreichischen "Hilff- und Heilberg" besuchten, wie die Chronisten festhalten. Die Mirakelbücher vermerken, dass hier Gebetserhörungen und Wunderheilungen angeblich keine Seltenheiten waren. Das alte Kloster gibt es nicht mehr, die Serviten haben es wegen Personalmangel aufgelassen.

Den Höhepunkt der Tour stellt die Ruine Aggstein dar, von deren Plattformen man wahrscheinlich den schönsten Blick auf das Donautal hat. Die Reste der einstigen Raubritterburg sind restauriert, die Treppen zu den Zinnen in tadellosem Zustand. Es gibt auch ein Burgstüberl. Die Ruine darf allerdings nur gegen eine Gebühr betreten werden.

Die Wanderung weist keine nennenswerten Schwierigkeiten auf, Markierung und Beschilderung sind ausreichend. Allerdings ist halbwegs gute Kondition gefragt, denn der Anstieg durch das Kupfertal ist teilweise recht steil.

Die Wanderroute: Von Mitterarnsdorf wandert man ein Stück auf der Straße Richtung Nesselstauden und zweigt bald nach Ende des Asphalts nach rechts (Wegweiser "Römerweg") ab, durchquert die Porzen - eine künstlich angelegte Felspassage - und steigt auf der grünen Markierung an. Nach Querung der Straße passiert man das Türkentor und erreicht im Kupfertal den Welterbe-Steig, dem man nach rechts folgt. Man kommt an Fischteichen vorbei und steigt steil zum Kamm an, wo man auf den gelbmarkierten österreichischen Jakobsweg trifft. Gehzeit 1½ Stunden. Der gelben und blauen Markierung nach rechts folgend, gelangt man in weiteren 1¼ Stunden zum Kastlkreuz und im Abstieg nach Maria Langegg.

Auf der roten Markierung geht es in etwa einer Stunde mit mehreren Gegensteigungen bis zur Ruine Agg-stein, dann steigt man - zuerst auf der Straße, dann auf einem Steig - zur Ortschaft Agg-stein direkt am Ufer der Donau ab. Gehzeit ab Ruine Agg-stein eine knappe Stunde. (Bernd Orfer, Album, DER STANDARD, 6.4.2013)

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    foto: ruine aggstein
  • Von der Ruine Aggstein hat man vermutlich den schönsten Blick auf das Donautal.
    foto: ruine aggstein

    Von der Ruine Aggstein hat man vermutlich den schönsten Blick auf das Donautal.

  • Gesamtgehzeit 4¾ Stunden, Höhendifferenz rund 450 m. Gaststätten in Maria Langegg und Burgstüberl auf der Ruine Agg-stein (bis 16. November täglich geöffnet). ÖK25V Blatt 4323-West (Melk), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt WK 071 (Wachau, Dunkel-steinerwald, Yspertal-Jauerling), Maßstab 1:50.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 4¾ Stunden, Höhendifferenz rund 450 m. Gaststätten in Maria Langegg und Burgstüberl auf der Ruine Agg-stein (bis 16. November täglich geöffnet). ÖK25V Blatt 4323-West (Melk), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt WK 071 (Wachau, Dunkel-steinerwald, Yspertal-Jauerling), Maßstab 1:50.000

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