Gewebe aus dem 3-D-Drucker

4. April 2013, 20:15
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Forscher stellen Material aus tausenden mit Lipidfilm umhüllten Tröpfchen her - Komplexe Struktur könnte eines Tages geschädigtes Gewebe ersetzen

Oxford/Wien - Womöglich werden 3-D-Drucker irgendwann einmal unser wirtschaftliches Gefüge umkrempeln, weil Konsumenten damit das herstellen können, was sie so brauchen: von Stöckelschuhen bis zu Sturzhelmen. In der Medizin jedenfalls sind die Wunderdinger schon seit geraumer Zeit im Einsatz: etwa um maßgeschneiderte Ersatzknochen oder Herzklappen zu fabrizieren.

In der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Science" vermelden Forscher um Gabriel Villar (Uni Oxford) einen bemerkenswerten Erfolg beim 3-D-Drucker-Einsatz. Dem Chemie-Dissertanten gelang es nämlich, einen speziell adaptierten 3-D-Drucker so zu programmieren, dass er tausende miteinander verbundene Wassertröpfchen ausspuckte, von denen jedes einzelne in einen Lipidfilm eingehüllt ist - ganz ähnlich wie Zellen.

Video: Es braucht seine Zeit, bis sich die künstliche Blüte aus dem 3D-Drucker zu einer Hohlkugel eingerollt hat.

"Einprogrammierte" Eigenschaften

Das so entstandene künstliche Gewebe aus Tröpfchen enthält natürlich keine DNA und kann sich auch nicht vervielfältigen. Doch der komplexen Struktur konnten immerhin bestimmte Eigenschaften "einprogrammiert" werden.

Die Forscher sehen für ihre Erfindung vor allem zwei Anwendungsmöglichkeiten: Sie könnte Grundbausteine für eine neue Technologie der Einschleusung von Medikamenten bilden und eines Tages vielleicht geschädigtes Gewebe ersetzen. (tasch, DER STANDARD, 5.4.2013)

  • Verschiedene mit dem 3D-Drucker aus einzelnen Tröpfchen hergestellte Gewebeblöcke mit jeweils etwa 500 Mikrometer Durchmesser.
    foto: oxford university/a graham

    Verschiedene mit dem 3D-Drucker aus einzelnen Tröpfchen hergestellte Gewebeblöcke mit jeweils etwa 500 Mikrometer Durchmesser.

  • Die Forscher schafften es auch, dass sich ein künstliches, blütenförmiges Gewebestück selbständig zu einer 400 Mikrometer großen Hohlkugel zusammen faltete.
    foto: oxford university/g villar

    Die Forscher schafften es auch, dass sich ein künstliches, blütenförmiges Gewebestück selbständig zu einer 400 Mikrometer großen Hohlkugel zusammen faltete.

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