Facebook Home: Jedes Android-Gerät soll zum Facebook Phone werden

4. April 2013, 19:19
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Android Launcher stellt "Menschen statt Apps" in den Vordergrund - HTC First als erstes Gerät mit "Facebook Home" vorinstalliert

Neue Wege beschreitet das soziale Netzwerk Facebook: Im Rahmen eines eigenen Presseevents hat Firmengründer Mark Zuckerberg am Donnerstag den Einstieg in den Smartphone-Markt verkündet - wenn auch etwas anders als viele zunächst erwartet hätten. Unter dem Namen "Facebook Home" will das soziale Netzwerk künftig den Homescreen der Android-NutzerInnen erobern.

Konzept

Der Grundgedanke: Android-NutzerInnen würden im Schnitt bereits 25 Prozent ihrer Smartphone-Nutzung mit Facebook verbringen, wie Zuckerberg auf eine aktuelle Studie verweist. Entsprechend gelte es das Smartphone rund um Menschen und nicht um Apps aufbauen, und deren Inhalte in den Vordergrund zu stellen, dieser Aufgabe habe man sich mit Facebook Home gewidmet.

Aufbau

Wie dies aussieht, wurde in einer anschließenden Präsentation demonstriert: Gleich nach dem Einschalten präsentiert sich der Cover Feed, eine Art grafische Repräsentation des Newsfeeds, der also sowohl geteilte Bilder als auch Links und Nachrichten präsentiert. Beiträge lassen sich dabei direkt mit einem Doppel-Klick "Liken" oder auch rasch mit anderen teilen beziehungsweise mit einem Kommentar versehen - alles ohne je den Homescreen verlassen zu müssen.

Benachrichtigungen werden ebenfalls direkt an dieser Stelle präsentiert, dabei immer mit einem Bild des Absenders versehen, immerhin will Facebook das Persönliche betonen. Zudem findet sich hier auch klein der eigene Avatar, der dazu dient, mittels eines Swipe nach oben einen weitgehend konventionellen App-Launcher aufzurufen.

Messaging

Ein weiterer Schwerpunkt sind Innovationen im Bereich "Messaging", die man "Chatheads" nennt. Geht eine neue Nachricht ein, wird ein kleiner Avatar des Absenders über die aktuelle App geblendet. Wer will, kann durch einen Klick darauf umgehend eine Antwort erstellen, ohne die zuvor genutzte App verlassen zu müssen. Dabei unterscheidet man in der grafischen Repräsentation übrigens nicht zwischen SMS oder Facebook Messages, nur Gruppenkonversationen werden extra hervorgehoben.

Privacy

Im auf die Präsentation folgenden Q&A ließ sich Zuckerberg dann doch noch das eine oder andere zusätzliche Detail entlocken, das wohl nicht gerade auf ungeteilte Begeisterung stoßen wirde: So werde es früher oder später "definitiv" Werbung im Cover Feed geben. Zudem erfasse Facebook Home Nutzungsstatistiken, diese sollen allerdings "nach kurzer Zeit" anonymisiert werden, wie der Facebook-Chef betont.

Play Store

Facebook Home soll ab dem 12. April über Googles Play Store zur Verfügung stehen, dies zunächst einmal allerdings nur für ausgewählte Geräte, darunter das HTC One X, das Galaxy S III und das Galaxy Note II. Der Support für HTC One und Galaxy S4 sollen kurz danach folgen. "Innerhalb der kommenden Monate" will man dann auch eine auf Tablets optimierte Ausgabe des Launchers nachreichen.

Aufforderung

Um für eine rasche Verbreitung zu sorgen, sollen alle bestehenden NutzerInnen der konventionellen Android-Facebook-App per Benachrichtigung zum Download von "Home" aufgefordert werden. Neue Versionen von "Home" sollen in einem fixen monatlichen Rhythmus veröffentlicht werden. Im Rahmen der Präsentation gab es von Facebook übrigens gleich mehrfach Lob für Google: Erst die Offenheit von Android, und dessen mächtiges Intent-System mache Facebook Home überhaupt erst möglich. Ein "Fork" von Android, wie er in den letzten Wochen kolportiert wurde, wäre hingegen kontraproduktiv und schlicht nicht im Interesse von Facebook.

Kooperation

Gleichzeitig mit Facebook Home führt man ein eigenes Programm für Hardwarhersteller ein, damit diese ihre Geräte von Haus aus mit der Software ausstatten können. Und natürlich hatte man hier gleich einen  Partner zur Hand: HTC bringt mit dem "First" das erst Smartphone mit vorinstalliertem Facebook Home, Firmenchef Peter Chou war zur Präsentation extra angereist. Dieses soll ebenfalls bereits ab dem 12. April verfügbar sein, vorerst exklusiv bei AT&T in den USA, andere Regionen sollen in den kommenden Monaten folgen. 

Hardware

Hardwareseitig liegt das "First" in der aktuellen Mittelklasse der Android-Liga: 1 GB RAM, ein Dual-Core-Prozessor (hier: Snapdragon 400) sowie ein 4,3-Zoll-Bildschirm mit 720p-Auflösung gehören mittlerweile quasi zur Standard-Ausrüstung. Verkaufsargument Nummer 1 soll also Facebook Home sein, das beim HTC First übrigens auf der Basis von Android 4.1.2 und Sense 4.5 läuft. Durch die Vorinstallation soll noch das eine oder andere Extra-Feature möglich sein, so werden hier etwa auch Systembenachrichtigungen direkt in "Home" angezeigt.

Zukunft

Als weitere Teilnehmer im "Facebook Home Program" führt der Softwarhersteller unter anderem Sony, Samsung, Huawei sowie den Chip-Hersteller Qualcomm, Lenovo und ZTE an, konkrete Ankündigungen gab es von diesen bislang aber noch keine. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 04.04.13)

  • Das "Facebook Home" soll die neue Zentrale des digitalen Alltags werden - zumindest wenn es nach dem Betreiber des sozialen Netzwerks geht.
    foto: facebook

    Das "Facebook Home" soll die neue Zentrale des digitalen Alltags werden - zumindest wenn es nach dem Betreiber des sozialen Netzwerks geht.

  • Das Kerninterface ist zwar ganz auf den Facebook-Newsfeed konzentriert, es gibt aber auch einen konventionellen App Launcher.
 
    foto: facebook

    Das Kerninterface ist zwar ganz auf den Facebook-Newsfeed konzentriert, es gibt aber auch einen konventionellen App Launcher.

     

  • Das HTC First - erstes Android-Smartphone mit vorinstalliertem Facebook Home.
    foto: htc

    Das HTC First - erstes Android-Smartphone mit vorinstalliertem Facebook Home.

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