Kostüme, die zum Leben erweckt werden

4. April 2013, 17:27
posten

Mit "collective" verschreibt sich das sound:frame-Festival heuer kollektivem Arbeiten

 Eine multimediale begehbare Installation im Mak beweist aufs Neue, dass sich die noch junge Disziplin der audiovisuellen Kunst auch in musealen Hallen behaupten kann.

Wien - Schwebend wie Gespenster hängen die schwarzen Kostüme im Ausstellungsraum, schwaches Licht und ein brummender Grundton steigern die düstere Atmosphäre. Ein Flatscreen zeigt die Kostüme in einem Video, wie sie von Tänzern und Performern zum Leben erweckt werden.

Entworfen hat die Kostüme, deren Stoffschuppen im Brustbereich an die Rüstungen japanischer Samurai erinnern, Modedesignerin Lisi Lang. Sie orientierte sich dabei an ritueller Kleidung sogenannter primitiver Kulturen. Die Performance filmte Andreas Waldschütz, das Multimedia-Duo Depart kümmerte sich um die digitale Nachbearbeitung. Daraus entstanden ist ein teils realer, teils animierter Film, bei dem die Tänzer eine Art Totem umkreisen und es scheinbar anbeten.

Die Arbeit ist Teil der Ausstellung The House of Drift, mit der das Soundframe Festival zum zweiten Mal in Folge im Museum für angewandte Kunst (Mak) gastiert. Statt internationaler Namen legte man den Fokus in der mittlerweile siebten Ausgabe auf heimische Künstler: Ein Kollektiv aus Modedesignern, Fotografen, Kuratoren, Architekten, Visualisten und Performancekünstlern schuf in einem mehrmonatigen Prozess in der Ausstellungshalle des Mak eine begehbare multimediale Installation. Das Motto des Festivals für audiovisuelle Kunst lautet "collective", das gemeinschaftliche Arbeiten.

Visuals, also am Computer erzeugte Bilder, entstanden ursprünglich im Club-Kontext als optischer Mehrwert zum DJ. Kuratorin Eva Fischer, die selbst als Visualistin gearbeitet hat, sieht Visual Art jedoch in einem erweiterten Kontext: "Visualisten wandern nicht von den Clubs ab, sondern man befasst sich mehr auf einer theoretischen Ebene mit audiovisueller Kunst."

Hatte man im vergangenen Jahr mit einer riesigen, eher verloren im Raum stehenden Leinwand noch eine Kinosituation geschaffen, so wurde man heuer dem Charakter einer Ausstellung eher gerecht. Die Übergänge zwischen realen Gegenständen und animierten Bildern sind fließend: Ton, Bild und die ausgestellten Objekte verschmelzen zu einer spannenden Einheit. Neben der Installation im Mak und einem Filmscreening im Topkino werden im Brut, Fluc und Morisson Club Live-Acts und DJs zu sehen sein. Außerdem findet eine Konferenz statt, bei der unter anderem Kuratoren, Visualisten und Medienkünstler diskutieren.    (Michael Ortner, DER STANDARD,  5.4.2013)

 

Praxistest im Klub
Zum Musik- & Club-Anteil des sound:frame-Festivals

Vor sieben Jahren ins Leben gerufen, um die Wahrnehmung der Visual-Jockey-Künste zu stärken, gilt das sound:frame-Festival längst als europaweit beachtete Veranstaltungsinstitution für das Visualistenfach. Ob die grundlegende Intention der Emanzipierung gegenüber den DJs tatsächlich fruchtete, darüber scheiden sich zwar immer noch die Geister.

Doch das Selbstverständnis des Festivals gibt sich spätestens mit der engen Kooperation mit dem Museum für angewandte Kunst ohnehin gewandelt. Theoretischer Überbau und Diskurs nehmen eine immer zentralere Rolle ein.

Ähnlich der elektronischen Laptop-Avantgarde rund um die Jahrtausendwende scheinen Kunstinstitutionen der adäquatere Ort für die Aufarbeitung dieser Medienkünste zu sein als die freie Wildbahn des Klubgeschehens. Schließlich tingelten auch die elektronischen Klangpioniere der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre weniger durch die Tanzlokale Deutschlands als vielmehr durch Galerien und Museen.

Nichtsdestotrotz muss beim sound: frame-Festival, das sich heuer den Arbeitstitel "Collective" verpasste, um sich in der Theorie am Netzwerkgedanken und den damit verbundenen Kreativprozessen abzuarbeiten, der Reality-Check im Klub sein.

Am Samstag, 6.4. ab 22:00 Uhr, werden im Fluc und in der Fluc Wanne (Wien 2, Praterstern 5) visuelle Kostbarkeiten unter Einbindung elektronischer Beats an die Klubwände geworfen. (lux, DER STANDARD,  5.4.2013)

Bis 21. 4

  • An der Entstehung der begehbaren multimedialen Installation "The House of Drift" im Mak waren unter anderem Fotografen, Modedesigner und Architekten beteiligt.
    foto: dimitri aschwanden / soundframe festival

    An der Entstehung der begehbaren multimedialen Installation "The House of Drift" im Mak waren unter anderem Fotografen, Modedesigner und Architekten beteiligt.

  • Am ersten Wochenende im Rahmen des Film-Specials des sound:frame-Festivals im Wiener Topkino: das "Valtari Film Experiment" von Sigur Rós - siehe dazu auch sigur-ros.co.uk/valtari/videos.
    foto: sigur ros

    Am ersten Wochenende im Rahmen des Film-Specials des sound:frame-Festivals im Wiener Topkino: das "Valtari Film Experiment" von Sigur Rós - siehe dazu auch sigur-ros.co.uk/valtari/videos.

Share if you care.