"Zu wenige positive Fragen": Platter sagt Interview ab

4. April 2013, 16:51
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VP verlangte vorab Fragen und sagte ab: Tiroler Magazin "Econova" druckt Fragen ohne Antworten - VP sieht "Grenzen des Respekts" und "Anstands" überschritten - "Interview und Inserat"

"Wie konnte es soweit kommen, dass sich ehemalige Weggefährten bzw. deklarierte ÖVP-Wähler hinter Splittergruppen verstecken?" wollte das Tiroler Wirtschaftsmagazin "Econova" von Landeshauptmann und VP-Spitzenkandidat Günther Platter wissen. Nach so verhinderten absoluten Mehrheiten, Rücktrittskultur und warum sich Platter Politik "überhaupt noch antut", wollte das Magazin wissen und schickte der Tiroler VP vorab seine Fragen. Die sagte das Interview ab, "da die Fragen zu kritisch und zu wenig positiv seien", wie das Magazin nun den Abdruck seiner Fragen ohne Antworten einleitete (siehe links).

Was "Econova" wissen wollte

"Econova" wollte etwa wissen: "Ein Blick zu den deutschen Nachbarn in punkto Rücktritten (neuerdings bis hin zum Papst) zeigt, wie schnell eine Politikerkarriere enden kann. Zögern unsere Politiker manchmal vor diesem finalen Schritt zu lange?" Was wolle Platter gegen "nie dagewesene" Arbeitslosigkeit und Preissteigerung in Tirol tun, damit "viele Tiroler wieder ruhiger schlafen könnten". Es fragte etwa auch nach Platters "unbeugsamer Haltung in der Agrarfrage", nach seinem Faible für die Gesamtschule, nach seinem Verständnis von Norbert Darabos (SPÖ) und dessen "Parteigehorsam".

Der Verlag econova gehört laut Firmenbuch dessen Geschäftsführern Christoph Loreck und Sandra Nardin zu je 50 Prozent.

Günther Platter wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die Tiroler ÖVP.

VP sieht "Grenzen des Respekts" und "Anstands" überschritten

Deren Sprecher Manfred Ladstätter hat schon ein ausführliches Statement vorbereitet: "Selbstverständlich" seien Tiroler VP und Platter "bereit, jedwede Frage, ganz egal von welchem Medium, zu beantworten". Sie machten "keinen Unterschied, ob eine Frage kritisch gestellt ist". Allein: "Wenn aber Grenzen des Respekts oder Anstandes gegenüber politischen Mitbewerbern oder uns selbst überschritten werden, nimmt die Tiroler Volkspartei von einer Beantwortung von Interviewfragen ganz bewusst Abstand."

"Mehrfach überschritten" sehe die Tiroler VP diese Grenzen. Ladstätter nennt als Beispiele: „Wie weit muss/darf Loyalität – am leuchtenden Beispiel eines bis zur Peinlichkeit katzbuckelnd dienenden Norbert Darabos – in der Tiroler Volkspartei gehen?"; „Politikern wird ja gerne nachgesagt (oder auch unterstellt), 'wie gedruckt´ zu lügen. Sie als gelernter Buchdrucker müssen das ja am besten wissen."

Die Tiroler VP verweist auf ihr vorgeschlagenes "Fairnessabkommen", "auf persönliche Verunglimpfungen, Diffamierungen und Behauptungen über Mitglieder anderer Parteien zu verzichten". Sie halte sich als einzige daran.

Interview plus Inserat

Inzwischen liegt derStandard.at/Etat ein Offert des Verlags für eine Wahl-Sondernummer von "Econova" an politische Parteien vor, das etwa anbietet: "Doppelseite Interview Tirolweit + 1 Seite Inserat Tirolweit: Euro 19.700,- netto". Dieses Angebot bestreitet Geschäftsführer Loreck auf Anfrage nicht. Man habe von der Sondernummer abgesehen, weil die Parteien nicht langfristig genug buchten, um Produktion und Logistik zu schaffen. Im Wahlspecial im aktuellen Heft kämen aber alle für den Landtag antretenden Parteien gleichgewichtig mit Interviews vor, unabhängig von deren Insertion. Von der Tiroler VP will der Verlag laut Loreck gefragt worden sein, "ob sie denn zuwenig inserieren, weil unsere Fragen so kritisch seien". (fid, derStandard.at, 4.4.2013)

  • "Platzhalter": Fragen an Günther Platter ohne Antworten.
    foto: privat

    "Platzhalter": Fragen an Günther Platter ohne Antworten.

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