Wenn die Sonne für einen Smiley sorgt

4. April 2013, 12:13
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Ein Gerät des Unternehmers Martin Wesian kann den Zeitpunkt anzeigen, an dem Sonnenlicht verunreinigtes Wasser in Entwicklungsländern trinkbar gemacht hat. Für die Umsetzung seiner bahnbrechenden Idee hat der Vorarlberger diese Woche Investoren gefunden

Wien - Nicht jede Idee wird gleich zu einem Geschäft, und manchmal ist für den nächsten Unternehmensschritt ein sehr, sehr langer Atem nötig. " Wir hätten schon vor einem halben Jahr nur auf den Knopf drücken und produzieren können", sagt Martin Wesian. Immerhin gab es, auch kein Schmutz, eine Liste von einer Million Vorbestellungen für sein Produkt. Nur: Der Investor wollte plötzlich nicht mehr zahlen, das Projekt stockte. "Im November mussten wir einen bestätigten Auftrag der pakistanischen Regierung über 100.000 Stück absagen, weil wir nicht liefern konnten."

Was nicht nur für den Start-up-Betrieb des 38-jährigen Vorarlbergers ein harter Schlag war, sondern auch direkt Menschen in Pakistan und in anderen Entwicklungsländern betraf. Die potenziellen Kunden seines Sozialunternehmens Helioz sind nämlich nicht unbedingt eine attraktive Werbezielgruppe: die ärmsten Menschen der Welt ohne gesicherten Zugang zu sauberem Wasser.

Der Wirtschaftsingenieur hat bereits 2009 ein bestehendes Verfahren zur Wasserdesinfektion verfeinert. Dabei lässt er die Sonne für sich arbeiten: Einfache, mit verunreinigtem Wasser gefüllte PET-Flaschen werden ins Freie gelegt. Die UV-Strahlen töten Keime ab, die zu Krankheiten wie Cholera führen können. "Sodis" (Solar Water Disinfection) nennt sich die Methode, die von der ETH Zürich getestet wurde.

Wesian entwickelte ein Gerät, das auf die PET-Flasche geschraubt wird und den genauen Zeitpunkt der vollständigen Desinfizierung mittels Messung der UV-Strahlungsintensität errechnen kann. Die Dauer des Prozesses wird nämlich durch Bewölkungsgrad, Regen und Wasserverschmutzung beeinflusst. Die notwendige Energie für das Display erzeugt ein Solarmodul, ein Smiley zeigt am Ende die Trinkbarkeit des Wassers an.

Für seine Idee, die er Wadi getauft hat, erhielt Wesian zahlreiche Preise, er hielt Vorträge bei der Asia Water in Kuala Lumpur oder an der Elite-Uni Yale. "Ein interessierter Investor hätte sofort eine Million Euro lockergemacht, wenn wir die Haltbarkeit des Gerätes von geplanten fünf auf zwei Jahre reduziert hätten." Wesian hat abgelehnt - und mit seinem 13-köpfigen Team auch die Zahlungsverweigerung nach dem Einstieg des ersten richtigen Geldgebers überstanden. "Am Mittwoch hat mit AC & Friends endlich ein Investor unterschrieben, der unser soziales Businessmodell auch versteht", sagt Wesian. Mit der industriellen Wadi-Produktion wird "ab sofort" begonnen.

Mit dem österreichischen Arbeiter-Samariter-Bund gibt es bereits eine Kooperation, hunderte Dorfbewohner in Kenia und Äthiopien wurden schon im Umgang mit dem Gerät geschult. Davor gab es für die Menschen neben der Verwendung von teuren Chlortabletten nur die Möglichkeit, verunreinigtes Wasser mit Feuerholz abzukochen. "Damit sorgt Wadi auch für einen nicht unbeträchtlichen Umweltaspekt", sagt Wesian. Auch Ghana hat Interesse an den Geräten bekundet, in Indien wird gerade eine Studie durchgeführt.

Bei der Computermesse Cebit in Hannover gewann Helioz vor wenigen Tagen den mit 10.000 Euro dotierten Preis Growing Beyond Award. "Deutschlands Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat sich Wadi angesehen und uns gleich einen Gesprächstermin bei Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel gecheckt", erzählt Wesian. "Am Mittwoch haben wir einen Brief vom Parlament bekommen." Wesian peilt einen Preis von zehn US-Dollar pro Gerät an. "Wie das Ganze auch in ein soziales Geschäftsmodell geformt werden kann, ist die nächste spannende Aufgabe." (David Krutzler, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

  • Wadi nennt sich das Gerät, das auf PET-Flaschen geschraubt und in die Sonne gelegt wird. Ein Smiley auf dem Display zeigt die Trinkbarkeit des Wassers an.
    foto: helioz

    Wadi nennt sich das Gerät, das auf PET-Flaschen geschraubt und in die Sonne gelegt wird. Ein Smiley auf dem Display zeigt die Trinkbarkeit des Wassers an.

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