Europäer essen viel zu viel Salz

4. April 2013, 12:34
224 Postings

80 Prozent der Salzaufnahme entfallen auf verarbeitete Produkte - WHO fordert Warnhinweise auf besonders salzhaltigen Lebensmitteln

Die meisten Menschen in Europa konsumieren täglich etwa acht bis elf Gramm Salz, was deutlich über dem empfohlenen Wert von maximal fünf Gramm täglich liegt. Die Verringerung des Salzkonsums gehört zu den am leichtesten durchführbaren Wegen zur Senkung eines erhöhten Blutdrucks. Bereits bei einer Reduktion auf weniger als fünf Gramm Salz pro Tag (entspricht etwa einem Teelöffel) verringert sich das Schlaganfallrisiko um 23 Prozent, jenes für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 17 Prozent.

Doch der Salzstreuer auf dem Esstisch ist nicht der Hauptverantwortliche für den hohen Salzkonsum. Viele Menschen konsumieren weit mehr, als ihnen bewusst ist, denn 80 Prozent der Salzaufnahme in der Europäischen Union entfallen auf verarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte, Chips, Suppen und Gewürzmischungen.

"Gestört wird das Gleichgewicht vor allem durch das Salz in Lebensmitteln wie Brot und in Fleischprodukten. Wenn die Kennzeichnung nicht verbessert wird und die Verbraucher nicht nachsehen, wird dieses Salz leicht übersehen", sagt Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.

Vorbilder Finnland und Großbritannien

Ein Vorbild ist etwa Finnland, wo Warnhinweise auf salzreichen Produkten gesetzlich vorgeschrieben sind. Die Kennzeichnungen führten dazu, dass viele Firmen die Rezeptur ihrer Produkte änderten und den Salzanteil um bis zu 25 Prozent verringerten. Außerdem stehen gesunde Ernährung und Aufklärung über die Gefahren salzreicher Kost auf dem finnischen Lehrplan.

In Großbritannien wiederum existiert seit 2006 eine "Ampel-Kennzeichnung", die über den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz Auskunft gibt. Obwohl das System freiwillig ist, sind bereits mehr als drei Viertel der englischen Lebensmittel so gekennzeichnet. Seit der Einführung vor sieben Jahren ist der Salzkonsum deutlich zurückgegangen.

Laut WHO-Bericht wurden in Europa bereits beachtliche Erfolge bei Lebensmittelkennzeichnungen, Verbraucheraufklärung und Ernährungsleitlinien erzielt, Handlungsbedarf gebe es aber nach wie vor.  Nicht zuletzt appelliert die WHO an die Politik, entsprechende Warnsysteme und Reglementierungen für Lebensmittel einzuführen. (red, derStandard.at, 4.4.2013)

  • Vor allem verarbeitete Produkte wie Fast Food und Fleischprodukte enthalten Unmengen an Salz. Die WHO fordert eine deutlichere Kennzeichnung solcher Lebensmittel
    foto: dpa/gero breloer

    Vor allem verarbeitete Produkte wie Fast Food und Fleischprodukte enthalten Unmengen an Salz. Die WHO fordert eine deutlichere Kennzeichnung solcher Lebensmittel

Share if you care.