Ein Tag im Park: Musical geht auch anders

9. April 2013, 17:19
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Was passiert, wenn man sich einen Tag lang in den Park setzt und Menschen beobachtet? Im besten Fall lernt man etwas über das Leben und fürs Leben

Rassismus, Kindesmissbrauch, Umweltzerstörung, Mobbing, Komasaufen, Sexismus und grenzenlosem Kapitalismus widmet sich die Jugendproduktion "Ein Tag im Park" der Bühne am Hof in St. Pölten.

Dass solch wuchtige Themen nicht mit dem moralischen Holzhammer auf das junge Publikum niedersausen, ist dem perfekten Zusammenspiel von Buch (Helmut Korherr), Regie (Vicki Schubert), Musik (Franz Dorfner), Darstellung, Choreografie (Cedric L. Breadley), Bühnenbild und Kostüm zu verdanken. Mit Witz, Leichtigkeit und Power spielen, singen und rappen sich die vorwiegend jungen Darsteller durch die schweren Themen und rund 18 von Franz Dorfner ("Rosachrom"Ex--Frontman) komponierten Songs, die wild, berührend und immer wieder hitverdächtig sind.

Die sprechende Statue, die das Kopftuch-Mädchen vor dem Übergriff durch Neonazis bewahrt. Der türkische Kebapstand-Inhaber, dessen Geduld mit dem alltagsrassistischen Pensionisten schier unerschöpflich ist. Der übergewichtige Streber, die überforderte Teenager-Mutter, die komasaufenden Schulverweigerer, der frauen- und mitarbeiterfeindliche Geschäftsmann und seine junge Geliebte – alles klischeehafte Figuren, die im Park ihre Einstellung zur Welt, zum Leben und zu ihren Mitmenschen offenbaren. Großartig: Eva Billisich als Pensionistin Frau Schneider - mit Hundeleine ohne Hund dran - im erbarmungslosen Dialog mit Alfred Pfeifer als verbitterter Pensionist Herr Maier.

Die Handlung folgt keinem fortlaufenden Faden, und genau diese scheinbar nicht zusammenhängenden Augenblicksaufnahmen von Alltagsszenen sind es, die das Stück zu einem spannenden und homogenen Ganzen werden lassen, das Raum für Reflexionen bietet.

Ein Musical im besten Sinn, ohne affektierte Darstellung, große Gesten, unreflektierten Kitsch und falsche Moral, das noch bis 19. April in der Bühne am Hof läuft. Schade nur, dass ausschließlich Schulklassen das Privileg erhalten, es zu sehen, denn es ist auch für ein erwachsenes Publikum ein Erlebnis. (tin, derStandard.at, 4.4.2013)

  • Offensichtlich geglückte Zusammenarbeit: Produktionsteam und Darsteller nach der Premiere.
    foto: derstandard.at/tin

    Offensichtlich geglückte Zusammenarbeit: Produktionsteam und Darsteller nach der Premiere.

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