Gesucht: Das FairPhone - Initiative entwickelt faire Smartphones

3. April 2013, 19:27
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Mehr als 9300 Nutzer und ein Telekomkonzern bekunden dafür bereits ihr Interesse

Amsterdam/Wien - 1,75 Milliarden Mobiltelefone wurden allein im Vorjahr weltweit verkauft. Nur wenige Käufer machen sich Gedanken darüber, unter welchen Bedingungen die durchaus nützlichen Geräte hergestellt werden. In jedem von ihnen stecken wertvolle Metalle, darunter Gold, Zinn, Kupfer. Abgebaut werden diese Rohstoffe vor allem in Afrika und Südamerika, zu Niedrigstlöhnen, mit schweren Gesundheitsschäden für die Arbeiter und einschneidenden Konsequenzen für die Umwelt.

Unter teilweise widrigen Umständen lassen die Hersteller ihre Handys und Smartphones dann großteils in China fertigen. Spätestens seit der Suizidwelle 2011 in den chinesischen Werken des taiwanischen Zulieferers Foxconn, der mit fast allen Telefonherstellern zusammenarbeitet, ist die unethische Behandlung der Fabrikarbeiter bekannt. Am Ende der Kette stehen Konzerne wie Apple und Samsung, die vom Verkauf der Geräte saftig profitieren.

Negativer Produktionszyklus

Ein in Amsterdam gestartetes Projekt will diesen negativen Produktionszyklus brechen und ein unter fairen und nachhaltigen Bedingungen hergestelltes Smartphone anbieten. Entwickelt wird das FairPhone von dem Niederländer Bas van Abel zusammen mit Mitstreitern von der Stiftung "Waag Society".

Allianzen schmieden

Dazu sollen Materialien aus zertifizierten Unternehmen bzw. Minen bezogen werden, die nicht in Bürgerkriege verwickelt sind und deren Gütesiegel garantiert, dass der Rohstoffabbau nicht unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen erfolgt. Auch sollen nur Zulieferer engagiert werden, die für faire Arbeitsbedingungen sorgen. Das Smartphone soll sich leicht reparieren lassen, der Akku austauschbar sein.

Dass es keine Garantie für ein zu hundert Prozent fair produziertes Smartphone geben kann, ist der Initiative bewusst. "Uns geht es zunächst darum, Denkanstöße zu geben, Allianzen zu schmieden und die großen Handyhersteller mit ins Boot zu holen", sagt FairPhone-Communitymanager Joe Mier zum STANDARD. Einen ersten Erfolg kann die Initiative bereits verzeichnen. Der niederländische Telekomkonzern KPN hat zugesichert, 1000 Geräte zu kaufen.

Vorverkauf im Mai

Finanziert wird die Herstellung des FairPhones via Crowdfunding im Internet. Der Vorverkauf für die 250 bis 300 Euro teuren Smartphones soll im Mai starten. Im Herbst sollen sie dann geliefert werden. Mehr als 9300 Interessenten haben sich auf der Website der Organisation bereits dafür eingetragen. In den Geräten stecke zwar keine neue Technologie, sagt Mier. Dafür soziale Werte. (kat, DER STANDARD, 4.4.2013)

  • Für die Handyherstellung notwendige Rohstoffe wie Kupfer und Kobalt werden in Afrika unter ausbeuterischen Bedingungen gewonnen. Eine Initiative will das ändern helfen.
    foto: fairphone

    Für die Handyherstellung notwendige Rohstoffe wie Kupfer und Kobalt werden in Afrika unter ausbeuterischen Bedingungen gewonnen. Eine Initiative will das ändern helfen.

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