Alte Waffen aus Haizähnen liefern biologische Erkenntnisse

6. April 2013, 18:00
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Museumsobjekte aus 19. Jahrhundert weisen auf geschrumpfte Artenvielfalt hin: Verschwundene Spezies nicht einmal in Überlieferungen erwähnt

San Francisco - Zähne als Beweis für einstige Vielfalt im Meer: Im 19. Jahrhundert zogen zwei Hai-Arten mehr als heute um die Riffe vor den pazifischen Gilbertinseln. Dies belegen Waffen aus Hai-Zähnen, die in einem Naturkundemuseum ausgestellt sind und von US-Forschern auf ihre Herkunft untersucht wurden.

Vermutlich wurden diese Haiarten in der Region durch Jagd ausgerottet, schreiben die Wissenschafter im Fachmagazin "PloS One". Wolle man die vielfältige Pracht früherer Korallenriffe wiederherstellen, sei es entscheidend zu wissen, wie die Tierwelt früher an dem gesunden Riff überhaupt ausgesehen habe.

Haie liefern Rohmaterial

Die Gilbertinseln sind eine Kette von Atollen und gehören zum Inselstaat Kiribati. Haie spielten in der Kultur der Bewohner eine bedeutende Rolle. Sie waren Bestandteil vieler kultureller Riten und Zeremonien. Unter anderem fertigen die Bewohner der Inseln aus den Hai-Zähnen Waffen, etwa Schwerter, Dolche oder Speere. Dazu bohrten sie kleine Löcher in einzelne Zähne, die sie mit Kokosnuss-Fasern und zum Teil menschlichen Haaren an kleinen Holzstücken befestigten. Diese wiederum wurden an dem Schaft der Waffe angebracht.

Die Forscher um Joshua Drew vom Field Museum of Natural History (Chicago/US-Staat Illinois) untersuchten nun mehr als 100 solcher Waffen sowie einige einzelne Hai-Zähne, die sich in der Sammlung des Museums befinden. Die Objekte wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefertigt.

Anhand von Größe und Form der Zähne sowie einiger anderer Merkmale konnten die Forscher bestimmen, aus den Zähnen welcher Spezies die Waffe gebaut worden war. Insgesamt identifizierten sie acht verschiedene Hai-Arten. Zwei davon sind weder in historischen Aufzeichnungen erwähnt noch finden sie sich in heutigen Artenlisten der Gilbertinseln: der Schwarzhai (Carcharhinus obscurus) und der Fleckzahn- oder Sorrahhai (Carcharhinus sorrah). Beide haben aber ein weites Verbreitungsgebiet und sind trotz ihrer Ausrottung im Gebiet der Gilbertinseln als Spezies nicht unmittelbar gefährdet.

Kulturelle Bedeutung

Die Auswertung von ungewöhnlichen historischen Datenquellen wie Museumsobjekten könne dazu beitragen, die "kulturelle Amnesie" zu beseitigen, bei der Menschen vergessen, wie lebhaft und dynamisch Riffe einst waren, schreiben die Forscher. "Als wir danach gesucht haben, fanden wir diese "Schatten-Artenvielfalt", Geflüster und Hinweise darauf, wie diese Riffe einst waren", erläuterte Joshua Drew. "Es ist unsere Hoffnung, dass wir durch dieses Verständnis und über geeignete Schutzbemühungen den Riffen wieder zu ihrer früheren Pracht verhelfen können." (APA/red, derStandard.at, 6. 4. 2013)

  • Auf den Gilbertinseln hergestellte Waffe aus Haizähnen.
    foto: drew j, philipp c, westneat mw

    Auf den Gilbertinseln hergestellte Waffe aus Haizähnen.

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